Derby-Vorbereitung: Fußballfeindschaften

Es gibt wohl keinen besseren Zeitpunkt, sich traditionelle
Fußballfeindschaften einmal genauer anzuschauen, als vor dem
Derby-Wochende. Ruhrpott- und Hamburger Derby an einem Spieltag – und
in der Hinrunde hab ich beides verpasst, also auch noch eine Premiere.

Eine vage Vorstellung von Derbys und deren Bedeutung hat man auch als
Nicht-Bundesliga-Fan, aber eben nur ne vage. Die diffizilen Feinheiten
des Konkurrenzkampfes erschließen sich erst aus Gesprächen mit
langjährigen Fans. Mit welcher Hingabe diese Feindschaften gepflegt
werden, ist für mich immer noch faszinierend. Zu Beginn meiner ersten
Saison konnte ich die meisten nicht verstehen. Regionale Kabbeleien
kennt man ja, und als geübte Wahl-Hamburgerin meinte ich schon immer,
den Unterschied zwischen St. Pauli und HSV-Fans ziemlich klar erkennen
zu können. Das ist aber auch die Fußball-Feindschaft, der man sich in
Hamburg auf keinen Fall entziehen kann. Aus den Beobachtungen der
beiden Fangruppen wusste ich: Man hasst sich und man liebt sich. Vor
allem aber gönnt man dem anderen nichtmal das schwarze unter den
Fingernägeln.

Als Neuzugang fiel es Anfangs schwer, sich da auch bei anderen
Vereinen reinzudenken. HSV-Fan Kai hat mich unter einem meiner ersten
Blogeinträge darauf hingewiesen, dass ich meine Bewunderung von Manuel
Neuer jetzt einpacken kann. Mein Zugeständnis, dass ich bei anderen
WM-Helden im Bayern-Trikot manchmal aus Versehen jubele, traf nicht
auf Gegenliebe (ja, ich weiß, kein Derby, aber Bayern ist ja sozusagen
der generische Fußball-Feind für alle). Aber man lernt: Zwischen
Schweini und Lahm im Bayern-Dress und der WM-Variante differenziere
ich inzwischen. Fällt leichter, wenn das FCB-Trikot die Herren zu
vollkommen hinrissigen Fehleinschätzungen der eigenen
Mannschaftsstärke hinreisst.

Der FC Bayern Arroganz (sehr ihr, läuft doch!) ist in meiner
persönlichen Fußball-Hackordnung aber nach wie vor nicht ganz unten.
Dort ist aber auch nicht Herne-West, zumindest noch nicht. Nein,
zumindest diesen Spitzenplatz hat der HSV sich erspielt. Warum? Bei
der Beantwortung nähere ich mich vermutlich dem Grund für sorgsam
gehegte Derby-Feindschaften in allen Regionen Deutschlands an. Jeden
Tag, mehrfach, höre und lese ich über den HSV. Ich bekomme jedes
Fitzelchen der Diskussionen mit (und frage mich, wann die mal Fußball
spielen?) und kenne reichlich HSV-Fans. Die ich trotzdem mag, aber mit
Leidenschaft aufziehe. So steigert man sich doch erst rein, ohne die
tägliche Konfrontation mit dem ungeliebten „anderen Verein“ wird es
nichts mit der Feindschaft. Und da in nächster Zeit kein Umzug nach
Essen, Dortmund oder Gelsenkirchen geplant ist, wird der HSV wohl auf
längere Sicht meine Negativ-Nummer 1 bleiben.

Mit Herne-West läuft es aber auch nicht schlecht, dank sehr
engagierter Schalker in meinen Twitter-Timeline und den Kommentaren
hier im Blog. Wenn ihr euch weiter soviel Mühe gebt, werde ich auch
dieses essentielle Kriterium für einen echten BVB-Fan vollenden.

Am Wochenende macht übrigens meine Nummer 1 meine Nummer 17 genauso
fertig wie meine Nummer 2 die Nummer 18 auf meiner persönlichen ewigen
Tabelle. Wetten?

3 Kommentare

  1. Ach wie fantastisch! Ein Dortmund-Fan in Hamburg! Die mit ??hnlicher Faszination gerade die Regeln des Fu??ball-Fan-Daseins erlernt wie ich! Ich am??siere mich k??stlich und denke bei jedem zweiten Satz ???Ja, genau!??? Wieso bitte habe ich diesen Blog jetzt erst gefunden? Ich bin auch noch relativ neu dabei ??? dem BVB hab ich zwar in Teenie-Tagen schon zugejubelt, aber dann f??r lange Jahre irgendwie das Interesse an der Bundeliga total verloren. Nach der WM hatte ich dann aber solch f??rchterlichen Fu??ball-Entzugserscheinungen, dass ich der Liga nochmal eine Chance gegeben habe und mit Freunden (alles St.Pauli-Fans) den ersten Spieltag angeschaut habe ??? mit dem Plan, mal zu versuchen, ein Pauli-Fan zu werden. Stattdessen dauerte es aber maximal f??nf Minuten, bis pl??tzlich trotz des nicht gerade berauschenden Spiels gegen Leverkusen meine uralte, l??ngst verloren geglaubte Liebe f??r den BVB wieder da war. Ganz merkw??rdig. In den n??chsten Spielen haben die Jungs es einem dann ja mehr als leicht gemacht, das noch zu vertiefen. St. Pauli hat es aber immerhin zum ???Zweitverein??? geschafft ??? solange sie nicht gegen Dortmund spielen, haben sie all meine Sympathie. Mittlerweile geht???s mir ??hnlich wie Dir ??? die Wochenend-Planung wird regelm????ig vom Fu??ball auf den Kopf gestellt und ich finde es pl??tzlich gar nicht mehr nervig, montags mit Kollegen (meist HSV-Fans) erstmal ??ber Schiri-Fehlentscheidungen, Zuckerp??sse und Transfers zu diskutieren.Dass man jetzt eigentlich recht sympathische Jungs wie Neuer, Metzelder oder H??wedes pl??tzlich f??r den Teufel pers??nlich halten muss, nur weil sie f??r den falschen Verein spielen, finde ich etwas befremdlich, aber zum Gl??ck macht Magath es einem ansonsten momentan sehr leicht, den Verein zu verachten. Hach, was freu ich mich auf das Doppel-Derby-Wochenende! Und da der BVB Freitag Abend schon spielt, kann ich auch endlich mal das komplette Spiel mit Freunden zusammen schauen, die sonst immer dem Pauli-Spiel oder maximal der Konferenz den Vorzug geben. Und Dein Blog ist nat??rlich zu den Favoriten hinzugef??gt, ich schaue garantiert jetzt ??fter vorbei!

  2. Anonymous · · Antwort

    Oh, das ist aber sch??n, dass es anderen (fast) genauso geht. Ich werde morgen das Spiel mit einer Freundin schauen, deren Distanz zur Bundesliga noch nicht schwindet, aber sie findet es unfassbar lustig, mir beim Reinsteigern zuzuschauen. Bin schon fast ein wenig aufgeregt vor meinem ersten Derby!Danke f??r deinen tollen Kommentar, ich freu mich auf einen regen Erfahrungsaustausch von Anf??ngerin zu Wiedereinsteigerin!

  3. Anonymous · · Antwort

    Hach, das wird gro??artig heute Abend. Egal wie, Derby ist immer ein Fest 🙂 [Von zerstrittenen Abendessen vor Jahren zwischen mir (BVB) und meiner Schwester (Vereinsmitglied (!!!!) bei Herne-West) nach jedem Derby mal abgesehen.]

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