Zwei Herzen in einer Fußballfan-Brust?!

Aufmerksame Leser haben hier schon den ein oder anderen freundlichen Satz über St. Pauli gelesen. Einige Male habe ich auch schon gefragt, ob man denn eigentlich Fan von zwei Vereinen sein kann – und gemischte Antworten bekommen.

Typ 1: Der Nicht-so-richtig-Fan
Einige Exemplare sind mir untergekommen, die beispielsweise behaupten, dass sie den HSV und St. Pauli gleich gut finden. Meistens sind das zugezogene Hamburger, die Fußball ganz nett finden, aber keine echten Fans sind. Übrigens habe ich noch nie von Menschen gehört, die, sagen wir, Schalke UND Dortmund mögen – gibt es dieses Phänomen außerhalb der Hansestadt überhaupt?

Typ 2: Der Opportunist
Ist IMMER Bayern-Fan. Und dazu kommt dann meist der erfolgreichste Verein der Wohn-Region als Alternative. Manchmal auch mehrere. Alles unter dem Motto „Irgendwer gewinnt bestimmt“. Meistens sind das allerdings auch keine Hardcore-Fußballfans.

Typ 3: Der Entwurzelte
Ist Fan vom Heimatverein, der oft in der zweiten oder dritten Liga dümpelt. Gleichzeitig hat er sich in seiner Wahlheimat aber auch einen Verein gesucht, um dem Fußballwahn auch dort frönen zu können. Da sich Heimatverein und Wahlheimatverein selten auf dem Platz begegnen (der adoptierte Verein ist meist erstklassig), kommt es höchstens im DFB-Pokal zu Konflikten. Im Zweifel ist man dann natürlich für den Heimatverein, für den man schon als Kind gejubelt hat.

Typ 4: Der Wahnsinnige
Der Wahnsinnige lebt und atmet Fußball. Er spielt selbst, und deckt mit seinem Fan-Dasein das gesamte Feld von Liga 1 bis 3 ab. Allerdings hat auch er „Den Einen“, der im Zweifel die anderen toppt. Welcher das ist, hängt selbstverständlich nicht vom Erfolg des Teams ab, sondern nur von diversen irrationalen, emotionalen Faktoren.

Typ 5: Der Internationale
Der Zweitverein kommt nur selten in die Quere – nämlich in Europa und Champions League. Ob wegen Auslandsaufenthalt oder einfach ausgeprägtem Fußballwahn (kann auch mit Typ 4 kombiniert werden) – die Liebe dieser Fans gilt Arsenal, Real, Lyon.

Eins haben alle gemein – einen „Hauptverein“. Zwei Vereine gleichermaßen mag keiner, zumindest habe ich noch niemanden getroffen.

Mein Hauptverein ist ja klar, aber ist Pauli meine Nummer 2? Irgendwie nicht so richtig, sonst würde ich mich nicht so sehr auf meinen zweiten Abstecher ins Westfalenstadion am Sonntag freuen. Außerdem würde ich sonst Derby schauen statt CL, die Abendplanung ist in der Hinsicht aber klar. Es liegt nicht an mangelnder Sympathie, aber ein Verein ist doch anstrengend genug. Wenn ich die Energie für einen zweiten aufbringen wollte, müsste der schon gute Argumente haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch nie im Millerntorstadion war, soll ja ansteckend sein.

Zu Beginn der Saison hätte ich tatsächlich gedacht, dass mir bei BVB gegen Pauli der Sieger egal wäre. Großer Irrtum – Samstag soll Dortmund bitte vor meinen Augen dieses Hamburger Team genauso wegfegen wie die anderen Hanseaten bei meinem ersten Stadionbesuch.

Habt ihr mehr als einen Verein? Wenn ja, welcher der oben genannten Gründe ist eurer?

6 Kommentare

  1. Anonymous · · Antwort

    Es gibt nur einen Verein, eine Liebe. Ich kann Leute nicht verstehen, die mehrere Vereine anfeuern. Ok, ich bin ja nun auch aus Dortmund – da steht das gleich bei der Geburt im Taufschein: BVB 😉

  2. Anonymous · · Antwort

    Ich bin als Werder-Fan ins Stadion gegangen und als HSV Fan wieder raus. Da war ich noch nicht mal in der Schule, aber fand den HSV netter. Die kamen in die Kurve und haben gewunken. Otto Rehhagel hat zu der Zeit irgendwie unfreundlich ausgesehen – das hat als Steppke den Auschlag gegeben. Ich hab nie wieder gewechselt. Nicht in der Zeit in M??nchen (soweit kommts noch), und auch nicht in Berlin (Not oder Elend?). Vielmehr haben sich echte Wochenend-Feindschaften entwickelt. Wenn Werder, Bayern oder Schalke spielen bin ich immer f??r den Gegner, wenn die gegeneinander spielen, dann bete ich f??r massig Platzverweise, Fehlentscheidungen und schlimme Einzelfehler – also alles was eine Mannschaft so richtig kaputt macht… Also: F??r einen Verein und gegen ein paar andere.

  3. habe nach dem umzug nach hamburg mal getestet, ob ich mich evtl. auch f??r den hsv wenigstens interessieren k??nnte. ging und geht aber nicht. ich war zwei mal im stadion. einmal gegen den bvb. das war genau nach dem petric/zidan deal und ich dachte, da w??re echt feuer drin. stimmung haben aber nur die bvb fans gemacht. vom hsv war ich fan-technisch entt??uscht. gleiches beim zweiten mal – einem testspiel gegen hansa rostock.pauli ist ja leider quais ausgeschlossen.und es ging auch nur um ernstes interesse – nicht fan sein. das geht nur mit einem verein.

  4. Tickeltackel · · Antwort

    Erszmal, ein kleines Lob f??r Dein Engagement in punkto Fan-Kultur & so…Also, ich f??r mich, wohne in Essen, leide (zur Zeit…) mit Werder seit anno 1984 und leiste mir seit etlichen Jahren einen Zweitverein in der 1. BuLi (!) und der hei??t "St.Pauli" und das ohne diesen Kiezverein auch nur ein einziges Mal live gesehen zu haben. Aber es kommt auch sooo das Kultgef??hl r??bba…Im ??brigen bin ich bodenst??ndig und mag Erdt??ne und Gr??n, also alles Nat??rliche…!OK. und International hab ichs ein bisken mit dem "You never go alone-Club: Liverpool", also ES kann auch einen Touch ins R??tliche gehen mit bisken Chamolwei??…

  5. feldversuch · · Antwort

    Interessante These. Als jemand, der vor 1990 in Berliner Umland gross wurde, gab es immer zwei Lieblings-Vereine: ein Oberligateam ()war bei mir Dynamo Dresden, weil die einfach den sch??nsten Fussball spielten) und ein Bundesligateam (war der HSV). Seit meinem Studium in Cottbus (90-96) isses Energie Cottbus – ohne wenn und aber,allerdings mit Sympatien f??r andere Underdogs (Union, Pauli). Dazu kommen dann auch immer ein oder zwei Hassvereine: Damals ganz klar der BFC Dynamo und Bayern M??nchen, wobei der BFC mittlerweile in der Unterklassigkeit verschwunden ist, aber der Spot f??r Blamagen der Bayern schmeckt immer noch zuckers??ss.

  6. Anonymous · · Antwort

    Grundsympathie f??r Underdogs kann ich auch nachvollziehen – so darf ich als Braunschweigerin ja eigentlich ums Verrecken nicht Hannover gut finden. Aber irgendwie mag ich, dass sie sich so gut halten, obwohl’s keiner erwartet. Aber sagt das blo?? nicht weiter, sonst verliere ich vor meinen ganzen Hannoveraner Freunden das Gesicht. 😉

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