Frauen-WM: Hauptsache Fußball

Eigentlich sollte dies ein anderer Beitrag werden. Einer darüber, dass ich überraschenderweise inzwischen riesige Sympathien für Nadine Angerer, Simone Laudehr, Celia Okoyino da Mbabi und Lira Bajramaj empfinde und mich deswegen schon auf ein Halbfinale und Finale freue. Wenn auch nicht so sehr wie bei den Herren-WMs, aber immerhin doch ziemlich viel.

Und dann das. Immerhin: Gestern schrie, fluchte und hoffte ich 120 Minuten lang auch nicht weniger engagiert als bei den Jungs. Und schaltete mit Abpfiff wie bei den Jungs sofort um, weinende Sportler nach frühzeitig gestorbenen Titelträumen ertrage ich nie. Zumindest nicht, wenn es mein Team ist. Da hofft man, dass einem zumindest die Mädels mal einen Titel im internationalen Fußball präsentieren, und dann schaffen sie’s nichtmal ins Halbfinale. Ich war ehrlich enttäuscht. Und damit emotional wesentlich mehr dabei als ich das vor Start der WM gedacht hätte.

Erkenntnis für mich aus der WM bisher: Fußball ist Fußball. Und das heißt immer, dass ich mich auch reinsteigern kann. Mich interessieren Junioren-Meisterschaften ebenso wenig wie 2. & 3. Bundesliga (oder die Bundesliga, noch vor nicht allzu langer Zeit) – aber ich bin ziemlich sicher, dass ich mich reinsteigern würde, wenn ich mal 2-3 Spiele schauen und mich damit beschäftigen würde. Ist halt Fußball. Den mag ich lieber auf einem gewissen Niveau, weshalb ich bestimmt nicht in nächster Zeit eine Liebe für die 2. Liga entdecken werde. Aber wenn ich in einem Wettbewerb gute Talente und Spiele entdecke, schau ich halt öfter mal rein. Und mal ehrlich – beim Frauenfußball gibt es massig Talent. Ich kannte Spielerinnen wie eine Louisa Necib, Hope Solo oder Alex Rodriguez vorher nicht, aber jetzt finde ich sie toll. Aus dem gleichen Gründen wie männliche Spieler: Ballbeherrschung, intelligentes Spiel, Geschwindigkeit. Und solche Spielerinnen sind auch der Grund, warum ich dann doch jede Menge Spiele gesehen habe, angesteckt von der Faszination einer Heim-WM im Allgemeinen und vom Interesse an mir bis dato vollkommen unbekannten Fußball-Talenten.

Das heißt weder, dass ich jetzt Frauen-Bundesliga schauen werde, noch, dass ich bei der nächsten WM zu unmöglichen Zeiten aufstehen werde (außer vielleicht beim Finale, wenn Deutschland dann wieder drinsteht). Bisher war die Frauen-WM ein willkommener Lückenfüller in der fußballlosen Zeit. Aber es heißt schon, dass ich für den Rest des Turniers ein anderes Team adoptieren werde (die USA). Wie bei den Jungs, wenn meine deutschen und holländischen Teams sich frühzeitig verabschieden (oder mal nicht qualifizieren). Immer von grandiosem Erfolg gekrönt: 1998 adoptierte ich Brasilien, 2006 Frankreich und 2010 schafften es meine Holländer eh ins Finale. Immerhin: Vizeweltmeister dürfte mein Adoptivteam also werden.

Ich hoffe wirklich, dass die WM 2011 unter dem frühzeitigen Ausscheiden des deutschen Teams nicht zu sehr leidet. Denn bisher macht es doch Spaß, und selbst einige unkenrufende Herren habe ich schon beim Anfeuern von Fußballerinnen erwischt. Gastgeber von Sportveranstaltungen sein ist immer toll und immer feiernswert.

 

6 Kommentare

  1. Also ich habe mir das Spiel gestern angesehen und konnte leider fast kein spielerisches Niveau feststellen das war ja fast nur Ball nach vorn kloppen und hoffen das einer rankommt und das ausscheiden ging mir am allerwertesten vorbei. Ist einfach nicht meins!

  2. Anonymous · · Antwort

    Jupp, so hat Deutschland die ganze Zeit gespielt und deswegen sind die verdient raus. Schweden und die USA spielen da aber deutlich anderen Fu??ball. Auf USA gegen Brasilien gleich freu ich mich sogar richtig. Ist aber ja auch bei Herren-WMs nicht anders – selbst in Finals gibt es da manchmal Spiele, die einfach nur… schei??e sind.

  3. hab mich heute auch ertappt, wie ich das gaaaaaaaaaanz sp??te der tor der us-girls gefeiert habe!lag aber auch daran, dass sich die aggressionen gegen??ber den brasilianerinnen immer mehr angesammelt hatten… ;-)naja, bald ist wieder richtiger fu??ball! 😀

  4. Hat jemand die U17 WM verfolgt? Die haben echt guten Fu??ball gezeigt da darf man sich schonmal drauf freuen ein paar der Jungs in 3-4 Jahren in der Bundesliga kicken zu sehen!

  5. Ich habe mir ein paar Spiele der Frauen angeschaut und muss sagen, dass der Frauenfu??ball wirklich besser geworden ist. Jedoch ist die Qualit??t des Fu??balls wirklich noch nicht profim??ssig…Wie cri schon geschrieben hat, die U17 Jungs waren wirklich stark, leider sind die gegen Mexiko raus…Die U17 WM war zum Anschauen wirklich besser, da wurden Fallr??ckziehertore gezeigt und es wurde wirklich sch??n zusammengespielt…

  6. Anonymous · · Antwort

    Klar, viele Frauen sind auch keine Profis – eigentlich fast nur die Amerikanerinnen, Schwedinnen und die meisten Deutschen und dann einzelne Spielerinnen der anderen Teams wie Marta. Das sieht man dann halt auch. Ich find aber auch, dass sich da einiges getan hat, seit ich das letzte Mal Frauenfu??ball geschaut habe.Die U17 hab ich mir nur im Spiel um Platz 3 gestern angeschaut, echt gut, die Jungs. Ich find aber bei Junioren-Mannschaften immer das Abwehrverhalten und das Stellungsspiel nen bi??chen arg unsauber (bei den Frauen ??brigens auch). Technisch waren die Jungs aber 1A mit Sternchen – gut zu wissen, dass da auch richtig gute Spieler nachwachsen. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s