Verlieren & gehasst werden lernen

Bei Welt- und Europameisterschaften läuft das so: Meist verliert man nur einmal. Dann ist es vorbei, man (also ich zumindest) trauert eine Woche und sagt dann „in zwei Jahren aber wirklich!“

Bundesliga ist anders. Da kann man theoretisch 34mal verlieren. Gar nicht schön für Menschen wie mich, die wirklich, WIRKLICH nicht gerne verlieren. Sehr nett also vom BVB, letzte Saison nur 5mal zu verlieren, kam meinem Temperament und meinen EM/WM-Gewohnheiten sehr entgegen. Und zumindest die erste dieser Niederlagen machte mir damals noch gar nichts aus, weil mich der Virus noch nicht gepackt hatte. Bei der zweiten Saisonniederlage fand ich das Ganze schon nicht mehr ganz so lustig. Bei der dritten ärgerte ich mich sehr. Und nun? Zwei Niederlagen nach 5 Spieltagen ist kein Drama, aber ungewohnt. Noch ungewohnter ist es, die Mannschaft mit eklatanten Fehlpässen und Abstimmungsfehlern zu sehen. Ich wusste ja, dass es nicht so weitergeht wie letzte Saison, aber jetzt muss ich mich an Aspekte der Bundesliga gewöhnen, die ich bisher noch gar nicht kannte. Zähe Phasen, Durchhänger, Scheißspiele. Erfolg von Mannschaften, die man nicht mag. Dass Bayern-Fans auch mal recht haben.

Und: Ich muss mich offenbar an etwas gewöhnen, dass man als Fan der deutschen Nationalmannschaft bereits in Ansätzen kennt. Nämlich an Neider und daraus resultierende seltsame Auswüchse der Ablehnung. Letzte Saison kabbelte ich mich fröhlich mit Fans aller möglichen Vereine sobald mein Bundesliga-Wissen auch nur ansatzweise dafür ausreichte. Okay, vielleicht auch schon bevor es ausreichte. Genereller Tenor der anderen: „Genieß es, und ich gönn’s euch.“ Vielleicht abgesehen von den Schalke-Fans, die fanden letzte Saison generell ziemlich daneben. Unverständlicherweise.

Jetzt mischen sich in die Kabbeleien etwas fiesere Untertöne der Missgunst. Auf Twitter, Facebook und in der Fußballkneipe neben mir freuen sich Fans anderer Vereine (besonders häufig: Bayern-Fans) diebisch über jeden Ausrutscher der Dortmunder Mannschaft. Besonders über Klopp und Großkreutz hört man nicht gerade besonders nette Dinge. Letzte Saison war das deutlich anders – sehe ich jetzt, was passiert, wenn eine Mannschaft zu sehr gelobt wurde? Als jemand, der schon mal während einer EM in Großbritannien gelebt hat, kommt mir diese Schadenfreude sehr vertraut vor. Und ein wenig kann ich es sogar nachvollziehen – der Medienhype nach dem fantastischen Eröffnungsspiel war unerträglich. Das Gelästere von Bayern-Fans neben uns gestern über die „ach so tollen Dortmund-Fans“ (ein paar wurden im TV beim vorzeitigen Gehen gezeigt) aber auch. Überhaupt, wer freut sich weniger über 7 Tore des eigenen Teams als über 2 Gegentore gegen den amtierenden Meister? Vielleicht lerne ich auch gerade, warum genau Bayern-Fans so unbeliebt sind?

Ich habe noch so viel zu lernen. Als nächstes am liebsten: Wie schön es ist, in der Champions League zu gewinnen.

2 Kommentare

  1. Ja, die Leichtigkeit ist erstmal weg. Die Unkenrufe aus anderen Richtungen dazu interessieren mich aber ??berhaupt nicht. Das sind genau die Leute, die letzte Saison "nur" von einem Lauf gesprochen haben und nach jedem Spieltag den Einbruch vorhergesagt haben. Am Ende mussten sie die Meisterschaft akzeptieren. Und diese Meisterschaft war kein Zufall. Auch der jetzige "Einbruch" ist kein Zufall. Die Mannschaft und der Verein durchlaufen sp??testens seit Klopp da ist einen erfolgreichen Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Die fast Pleite ist ja doch noch nicht so lange her. Dabei geh??ren auch mal R??ckschl??ge dazu. Vereinsintern hat man dazu zum Gl??ck eine sehr realistische Einstellung. Schritt f??r Schritt soll es weiter gehen. Und letzte Saison hat man zwei Schritte auf einmal gemacht. Vielleicht muss man jetzt erstmal verschnaufen, Dinge verarbeiten, aus Niederlagen lernen, sich weiter entwickeln, damit man morgen besser ist.Apropos morgen. Es wird gro??artig, die Dortmunder endlich wieder zur CL Hymne zu sehen. Football’s coming home. 🙂

  2. Posterous fehlt eindeutig der Like-Button f??r Kommentare. Recht hast du, Lars. 🙂

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