Morgen in der Bundesliga: Fußballfans gegen Homophobie

Die Homophobie und der Fußball, ein großes Thema. Vom allseits beliebten Thema „schwule Profis“ will ich gar nicht anfangen, denn Homophobie in Stadien fängt beim Fan neben euch an. Ich bin schon mehr als einmal ausgerastet, weil neben mir „lustige“ Menschen Spieler als „Schwuchteln“ und ähnliches beschimpft haben – genauso unerträglich wie jede Art rassistischer Beleidigung und Zeugnis eines ganz simplen Gemüts. Und trotzdem ziemlich allgegenwärtig. Vermutlich ist ein Fußballstadion einer der ganz, ganz wenigen Orte, an denen ich vorsichtig bin, wann ich die Hand meiner Freundin nehme. Ich wage zu behaupten, dass Männer-Paare das meistens lieber ganz lassen.

Eine tolle Aktion, die sich die alltägliche Homophobie auf und neben dem Platz vornimmt, ist „Fußballfans gegen Homophobie“. Vor einigen Wochen war die Aktion mit ihrem lilafarbenen Banner gleichzeitig mit mir das erste Mal in der zweiten Liga zu Gast beim Spiel St. Pauli gegen Duisburg, morgen steht die Premiere in der Bundesliga an – wieder in Hamburg, beim Spiel HSV gegen Mönchengladbach. Eine Gelegenheit, mal aus dem normalen Muster dieses Blogs mit Selbsterfahrungsberichten auszubrechen und ein kurzes Interview mit einem der Verantwortlichen, Christian Rudolph, zu führen.

Kannst die Idee zu eurer Aktion kurz umreißen für alle, die noch nicht davon gehört haben?

Wir wollten eigentlich eine Aktion zur Action Week von FARE, also dem Netzwerk „Football against Racism in Europe“ machen. Die Aktiven Fans von Tennis Borussia arbeiten bereits seit 5 Jahren mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg zusammen und seit letztem Jahr sind wir Kooperationspartner beim Projekt „Soccer Sound“, das seinen Schwerpunkt im Bereich Fußball hat, dort Aufklärungsarbeit gegen Homophobie leistet und den Kontakt zu den Vereinen und Verbänden sucht. Gemeinsam ist dabei die Idee zur Initiative „Fußballfans gegen Homophobie“ entstanden: Zusammen mit anderen Fans ein Zeichen gegen Homophobie im Fußball zu setzen und ein Wanderbanner mit der Aufschrift „Fußballfans gegen Homophobie“ auf Reisen zu Fanszenen und -gruppierungen in ganz Deutschland und darüber hinaus zu schicken.

Das Besondere ist eben, dass es aus der Fanszene kommt – von Fans für Fans. Wie gesagt, am Anfang war die ganze Route bis zur FARE Week im Oktober geplant, aber uns wurde recht schnell klar, dass wir damit auf ein viel breiteres Interesse stoßen und jetzt sind wir terminlich bereits im Dezember angekommen. Und wir bekommen auch Anfragen von Vereinen, von denen wir es nicht unbedingt im ersten Schritt gedacht hätten. Aber genau das macht gerade die Initiative aus, dass es nicht nur die üblichen Vereine sind. Wir würden uns sehr freuen, wenn am Ende der Route – wobei es garnicht unbedingt ein Ende geben muss – vielleicht Fans von 40 Vereinen an der Aktion teilgenommen haben. Ich denke, das wäre dann auch ein klares Zeichen in Richtung Verbände, dass sich insgesamt noch einiges bewegen muss. Solange zum Beispiel Fußballprofis ungestraft homophobe Äußerungen machen können und solange es noch Vereine gibt, die keinen Antidiskriminierungs-Paragraphen in ihrer Satzung haben bzw. ihn nicht um einen Passus gegen Homophobie erweitern und die Einhaltung des Paragraphen auch konsequent durchsetzen, solange haben wir im Kampf gegen Homophobie noch einen weiten Weg vor uns. Wir würden uns sehr freuen, wenn aus der Banner-Aktion eine Art Netzwerk gegen Homophobie im Fußball entsteht.

Wo hat euer Banner schon alles Station gemacht?

Das Banner wurde bei den Respect Gaymes in Berlin erstmalig vorgestellt und war auch schon beim Berliner Christopher Street Day zu sehen war. Die ersten beiden Stationen waren in Hamburg beim SC Victoria Hamburg und bei Altona 93, danach ging es zum SV Arminia Hannover. St. Pauli war die erste Station im Profibereich. Es folgte am letzten Wochenende Jeunesse Esch und morgen dann die erste Station in der Bundesliga beim HSV. An der Stelle möchte ich mich auch noch mal bei allen bisherigen Stationen bedanken und wir freuen uns auch schon auf alle kommenden.

Was für Erfahrungen haben die Fangruppen mit dem Banner gemacht? Gab es eher positive oder auch mal negative Reaktionen?

Soweit wir jetzt mitbekommen haben, wurde das Banner von allen recht positiv aufgenommen. Wie das allerdings im einzelnen aussieht, ist schwer zu sagen. Wir hoffen natürlich sehr, dass die positive Resonanz weiterhin überwiegt.

Bei St. Pauli gegen Duisburg war das Banner das erste Mal im Profifußball zu Gast. Habt ihr da einen Unterschied zu den bisherigen Aktionen bemerkt?

St. Pauli war insofern für uns etwas Besonderes, weil wir mit dem Banner vor Ort waren, was wir leider nicht zu jeder Station schaffen. Aber es ist immer interessant, auch die Reaktionen vor Ort mitzubekommen und das Banner live im Stadion zu sehen.

Welches Feedback habt ihr von Fußballvereinen selbst auf eure Aktion bekommen?

Wir haben eher Kontakt mit den Fangruppen, da diese das Banner ja auch bei sich in die Kurve hängen und zum Teil auch eigene Aktionen zum Banner planen. Das läuft ganz autonom. Zum Teil, wie jetzt bei Jeunesse Esch, erhalten die Fangruppen dabei aber auch Unterstützung vom Verein, was uns sehr freut, da hier die Fans den Verein für das Thema sensibilisieren. Das ist großartig. Leider gibt es auch andere Fälle, wo die Fans ganz klar nicht diese Unterstützung vom Verein erhalten, aber umso mehr freut es uns, dass die Fans das Banner ins Stadion bringen.

Morgen also das erste Mal Bundesliga – aufgeregt?

Aufgeregt vielleicht nicht gerade, aber doch sehr gespannt wie die Resonanz sein wird. Wir freuen uns auf jeden Fall, dass das Banner jetzt das erste Mal in der Bundesliga zu sehen sein wird und die Antidiskriminierungs AG leistet beim HSV eine großartige Arbeit und steht zu 100% hinter der Aktion. Ich bin also recht zuversichtlich.

Wo würdet ihr das Banner als nächstes am liebsten sehen?

Interessante Frage. Ich glaube, diese eine Station gibt es nicht. Wir freuen uns, dass die Route immer länger wird und auch Vereine dabei sind, die wir jetzt vielleicht nicht unbedingt auf dem Zettel gehabt hätten. Aber genau diese Vereine wollen wir mit der Initiative erreichen im gemeinsamen Kampf gegen Homophobie!

Infos zur Aktion findet ihr auf Facebook und im Blog, und zur Station beim HSV gibt es hier alle Details.

12 Kommentare

  1. Und wer sich fragt, ob’s sowas wirklich braucht, der lese die Kommentare unter der oben verlinkten Ank??ndigung auf der HSV Fanprojekte-Seite. 😉

  2. "Ich bin schon mehr als einmal ausgerastet, weil neben mir "lustige" Menschen Spieler als "Schwuchteln" und ??hnliches beschimpft haben"Das w??rde ich nicht ??berbewerten! Ich hab mich auch schon dabei ertappt irgendwelchen derartigen Schwachsinn im Stadion von mir zu geben obwohl ich absolut nix gegen Schwule und Lesben habe! Im gegenteil ich kenne sogar welche mit denen ich sehr gut auskomme und auch gerne rede! Im Eifer des Gefechts denkt man halt nicht unbedingt dr??ber nach was man sagt und im nachhinein tut es mir zumindest leid sowas gesagt zu haben!

  3. Rutscht dir auch mal ne rassistische Beleidigung raus? Den meisten n??mlich nicht, weil sie das als "falsch" abgespeichert haben und "Schwuchtel" eben nicht. Es verletzt aber genauso. Man sollte dr??ber nachdenken, warum einem sowas rausrutscht. Frag doch mal die Schwulen und Lesben in deinem Bekanntenkreis, wie sie sowas finden, egal in welcher Situation. Die meisten werden dir wohl ehrlich sagen, dass das extrem verletzend ist. Auch wenn ich deine Argumentationsliege voll und ganz verstehe – mir rutscht schlie??lich auch mal ein nicht so nettes Wort raus beim Fu??ball. Aber Nachdenken hilft, bei jedem Schimpfwort, und ganz besonders bei denen, die eine Gruppe zum Ziel haben.

  4. "Rutscht dir auch mal ne rassistische Beleidigung raus? Den meisten n??mlich nicht, weil sie das als "falsch" abgespeichert haben und "Schwuchtel" eben nicht."Dar??ber habe ich noch garnicht nachgedacht aber du hast recht! Ich wei?? ja nicht wieweit es bei dir schon mit den Emotionen ist wenn du ein BVB Spiel siehst bei mir ist es jedenfalls so das ich ziemlich aufbrausend werden kann und dann nicht nachdenke und dann hat man schon ein b??ses Wort gesagt (unabh??ngig von "Schwuchtel" oder so es gibt ja auch "normale" Beleidigungen die mir genauso leid tun im nachhinein)!Hab mir auch mal die Kommentare im HSV Forum durchgelesen und leider gibt es solche Primaten auch im Stadion aber ich denke (und hoffe) das das die Minderheit ist! Ich kann mich auch noch an so eine Diskussion bei Spox.com erinnern wo auch der Gro??teil kein Problem damit hatte aber ein paar User die ganze Diskussion in den Dreck gezogen hatten.Passend zum Thema noch ein etwas ??lterer Artikel der aber auch sehr lesenswert ist! http://www.11freunde.de/bundesligen/119643

  5. Hmm, ich werde schon aufbrausend, auch beim BVB schon, allerdings gehen mir grunds??tzlich nicht so schnell Schimpfw??rter ??ber die Lippen, glaub ich. Ist glaub ich auch ne Typfrage, wie sehr man schimpft. 😉 Und ich habe festgestellt: Beim Vereinsfu??ball ist es VIEL zu anstrengend, sich jede Woche so aufzuregen wie bei einem WM-Finale. Danke f??r den Link, hatte ich damals schonmal gelesen, aber echt interessant. 🙂 Das Fass schwule Profis lassen wir mal zu, das hat keinen Boden. 😉

  6. Konnte das Plakat leider nicht sehen, da ich quasi direkt dahinterstand… ;-)Auch die Diskussion im Volksparkett ging dank der Bahn an mir vorbei. War schon froh, dass ich rechtzeitig zum Anpfiff da war…Konnte aber den gro??en Artikel im Stadion und Vereinsmagazin lesen. Stand da ja doch an recht prominenter Stelle.Ach und zu den Kommentaren beim Fanprojekt: Arschl??cher gibt es ??berall und gerade im Netz… Da geb ich jetzt nicht so viel drauf. Sind unm??gliche Aussagen, aber versprengte Einzelmeinungen, w??rde ich sagen. Der gro??en Mehrheit ist diese Thematik schnurz egal…

  7. w??re vielleicht nicht schlecht, wenn die Moderatoren des BVB-Radios mal einen Blick auf diese Aktion werfen w??rden, immerhin ist Norbert Dickel meines Wissens sogar Stadionsprecher in Dortmund. Was ich da heute ??ber ihn lesen mu??te, stempelt ihn nicht unbedingt zu einen "vorbildlichen" Sportsfreund, der er aber in seiner Funktion eigentlich sein sollte:" …. da Rupert und Dickel bereits seit mehreren Jahren kommentieren und ??bles Stammtischvokabular in ihren Berichten gang und g??be ist. Ihr Fett bekamen unter anderem Tim Wiese (??Schwuchtel-Hemdchen??), der FC Bayern (??Schei?? Bauern-Dussel??), Schalke 04 (??Mein Gott, sind die doof??), die TSG Hoffenheim (??Jaaaa! Da werdet ihr endlich bestraft. Ihr habt’s verdient!??) oder Markus Miller (??Miller kam etwas schwuchtelig heraus??) weg. "Zitat aus http://www.11freunde.de/bundesligen/144230/arschloch_korinthenkacker

  8. Ich kann das BVB Netradio bei aller Liebe ja wirklich nicht h??ren… Hat schon seine Gr??nde. 😉

  9. wobei ich Tim Wiese eigentlich auch nicht abkann, aber als "Schwuchtel" w??rde ich ihn nie bezeichnen …. "arroganter Schn??sel" reicht auch vollkommen aus :o)

  10. Ich habe Herrn Wiese auch schon als Arschloch, Lackaffen, Schn??sel und Vollidioten beschimpft. 😉 Interessanter Artikel, den du verlinkt hast, vielleicht blogge ich gleich nochmal zum Thema Beleidigungen, ist ja irgendwie ein sehr Zwiesp??ltiges – ich kenne einige sehr, sehr nette Menschen, die beim Fu??ball SEHR, SEHR b??se werden k??nnen.

  11. da sind wir uns ja mal wieder einig! :o))Emotionen geh??ren nat??rlich auch zum Fu??ball dazu, wie das Pils und die Bratwurst! Aber als Vereinsverantwortlicher sollte man irgendwie auch in der Lage sein, zumindest in der ??ffentlichkeit etwas Neutralit??t an den Tag legen zu k??nnen.Denn auch im Fanradio gilt die Maxime "Fair geht vor", wenn diese nicht zur Hohlfloskel verkommen soll ….

  12. Hast mich zu nem Blogeintrag inspiriert. 😉 Sind uns tats??chlich total einig. 😉

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