Eine Liebeserklärung an den Pott (und ein Stadionbericht)

Eigentlich sollte dies ein Bericht über mein erstes Mal auf der Südtribüne werden. Und über einen Heimsieg. Aber nichts davon geht ohne eine kleine Hymne auf die Menschen, die eine solche Tribüne ausmachen.

Eigentlich fängt diese Hymne schon mit meinem Ticket an. Im Blog und auf Twitter hatte ich den Wunsch nach einem ersten Champions League-Ticket geäußert. Gegen Arsenal kläglich beim Kartenkauf gescheitert, was vergisst man sich auch den Wecker zu stellen. Dann bot Blogleser Till mir auf einmal ein Südtribünenticket für Piräus an. Ich fragte ungläubig mehrfach nach, ob der Dauerkartenbesitzer, dessen Ticket ich bekommen sollte, wirklich nicht gehen wollte. Till versicherte glaubhaft „Nö, kannste haben, ich hab deinen Blog gelesen und find’s klasse und so kommst du mal auf die Süd – und zur Champions League.“ Ich war etwas sprachlos. Bin ich immer noch. Dieses lustige Blogprojekt hat mir inzwischen wirklich einige sehr unerwartete Dinge eingebracht, aber ein Südtribünenticket zum Preis von ein paar Bier führt die Liste uneinholbar ein.

Langer Rede kurzer Sinn: Diese Hymne an den Pott beginnt mit Till und seiner so großen Liebe für den BVB, dass er sie unbedingt und jederzeit teilen will. Und den wir Hamburger am Dortmunder Bahnhof sofort erkannten – an den gekühlten Bierflaschen in der Hand auch für uns Besucher und dem herzlichen Willkommen.

Vor Jahren saß ich mal mit brasilianischem Besuch und Freunden aus Gelsenkirchen und Essen beim Grillen – es gab am Tisch keine gemeinsame Sprache. Machte aber nix, irgendwie verständigte man sich über Bier, Grillfleisch und Trinkspiele und schloß Freundschaft. Die Brasilianer beschlossen daraufhin, dass die Ruhrpottmentalität der eigenen wohl am nächsten komme. Das Gleiche sagten sie zwar später über Rheinländer, aber von diesem Detail abgesehen, hatten sie durchaus recht. Ich liebe Norddeutschland und die Nüchternheit von Hanseaten – man muss mir aber noch einen Hamburger zeigen, bei dem man nach circa 5 Minuten das Gefühl hat, ihn schon ne ganze Weile zu kennen. Soviel können wir Nordlichter gar nicht am Stück reden.

Damit in dieser Hymne noch Platz für Fußball ist, lasse ich mal ein paar hübsche Details aus. Aber fürs nächste Mal weiß ich dann, wie man Bier in die Dortmunder U-Bahn bekommt, nur soviel.

Ich hatte ja, wie mehrfach betont, gehörig Respekt vor der Süd. Mein Herz klopfte vorher, was am Bahnkaffee, an der Stadioncola (habe alkoholfreies Brinkhoffs mal ausgelassen, das klang irgendwie eklig), oder auch an der normalen Aufregung vor einem entscheidenden Spiel liegen konnte. Und an der diffusen Angst vor fliegenden Bieren und Feuerwerkskörpern. Egal, denn das Gefühl verflog mit dem ersten Blick aus Block 15 auf den Platz.

Folgende Feststellungen, der Länge dieses Posts zuliebe stichpunktartig festgehalten:

  • Die Süd ist eine Familie. Jeder kennt jeden, und man hat eine sehr entscheidende Sache gemeinsam: Dass man die gelb gekleideten Männer auf dem Platz zum Sieg schreien will. Tut man dann auch.
  • Neben der Süd sitzen ist toll, gegenüber der Süd sitzen ist auch nicht übel. Aber mitten im Geschehen stehen und beobachten, wie die Gesänge und die Stimmung aus dem Zentrum der Süd auf die Tribünen schwappt – Hammer. Eloquenter kann ich das leider nicht sagen.
  • Schiedsrichter-Beschimpfungen machen immer noch am meisten Spaß. Oder auch nicht.

Ja, das Stadion war spürbar leerer als sonst dank Bestuhlung, und auch das Alkoholverbot machte einen deutlichen Unterschied (durchaus positiv!). Aber sicher lag es nicht nur daran, dass ich mich auf der Süd wohl fühlte. Eigentlich lag es zu 99% daran, dass ich die Menschen um mich herum klasse fand, sogar trotz der ein oder anderen grenzwertigen Griechen-Beschimpfung. Man verzeiht viel, wenn der eigene Verein quälende 83 Minuten lang nur knapp führt und man selbst echt beschäftigt mit Fluchen ist. Und wenn man soviel Spaß hat bei dieser Qual.

Dann erspielte die Borussia noch 3 Punkte und der Abend war perfekt. Und wurde von einer comedyreifen Demonstration schönsten Ruhrpottdialekts im Taxi gekrönt. Dafür fahr ich jederzeit gerne wieder nachts um drei durch Hannover. Auch die Halsschmerzen am Folgetag war’s wert. Danke lieber Till, danke liebe Mitfahrer, danke liebe Süd. Ach ja, und danke, Kevin Großkreutz.

 

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