Aktion Libero

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Natürlich unterstütze ich die Aktion Libero gerne – jede Aktion, die auf Homophobie im Sport aufmerksam macht, hat jede Aufmerksamkeit verdient. Im Blog habe ich Homophobie bereits direkt und indirekt thematisiert, aber zur Aktion Libero jetzt noch einmal ein paar ganz persönliche Worte.

In meinem Leben gab es zwei Jahre, in denen ich mich niemals nie geoutet hätte: Auf dem Mädcheninternat. Im geschlossenen System Internat war das schlicht undenkbar, sozialer Selbstmord. Die Gerüchte waren schon schlimm genug. So wie für schwule Fußballer heute im geschlossenen System Vereinsfußball. Ich hätte es vielleicht getan, wenn ich nicht die einzige gewesen wäre, und wenn es Unterstützung von Seiten der Schule gegeben hätte. Was die Unterstützung angeht, erweckt der DFB keinen besonders beständigen Eindruck. Und ein Massen-Coming-Out aller schwulen Fußballer ist kaum wahrscheinlich. Jeder von ihnen kämpft sich alleine durch sein Lügenkonstrukt und sein unvollständiges Leben. Denn vor’m Coming Out ist das Leben nur halb lebenswert. Den Luxus, zum eigenen Partner einfach ganz selbstverständlich stehen zu können, haben ungeoutete Personen nicht. Überall lauern verräterische Pronomen. Homophobe Bemerkungen lassen einen auch noch nach dem Coming Out zusammenzucken, aber dann dreht man sich um und konfrontiert sein Gegenüber. Ungeoutet glaubt man, dies nicht zu können, um keinen Verdacht auf sich zu ziehen. So entstanden vor vielen Jahren die Gerüchte über mich auf dem Internat und trotzdem nicht die Klappe zu halten, war ein Willensakt.

Schwule (und lesbische) Fußballer leben ein Versteckspiel. Und so lange wie homophobe Beschimpfungen von den Tribünen dieser Welt schallen und in Internetforen gang und gebe sind, so lange werden sie dies wohl auch noch tun. Also erst nachdenken, dann schreien. Nicht nur für die Spieler, sondern auch für deine Mit-Fans.

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Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

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