Hassliebe Pokal

Ich liebe den DFB-Pokal. Allein das Konzept, dass ein Verein einen anderen rauswerfen kann, der mehrere Klassen über ihm spielt – vorprogrammiertes Drama. K.O.-Spiele, die ich in der Bundesliga nach wie vor manchmal gerne hätte. Der einzige Vereinswettbewerb, den ich wirklich meistens guckte, und der mich genau so lange interessierte, wie noch unterklassige Vereine dabei waren. Meine Freundin meinte, dass ich das DFB-Pokalfinale des BVB gegen Bayern mit ihr geschaut hätte – ich kann mich aber nicht erinnern. Hat mich also offenbar nicht wirklich interessiert. Sehr lebhaft erinnere ich mich aber an das Viertelfinale 2006, Werder Bremen gegen St. Pauli. Erinnert ihr euch? Es schneite fürchterlich, Werder bat um das Anschalten der Rasenheizung, St. Pauli lachte. Es folgten 90 furchtbar amüsante Minuten auf eisglattem Rasen, die mehr mit Schlittschuhlaufen als mit Fußball zu tun hatten. St. Pauli warf den Erstligisten 3:1 raus, und Thomas Schaaf kochte trotz eisiger Außentemperatur fast über.

Dieses Spiel hat sich eingebrannt, und bringt auf den Punkt, warum ich den Pokal immer so mochte. Alles Jammern über schlechten Rasen hilft nichts – die verwöhnten Bundesliga-Kicker müssen auch auf Matschwiesen und Eisflächen spielen. Wenn der unterklassige Verein dadurch einen Vorteil hat, ist das nur fair, immerhin liegen Welten zwischen der spielerischen Klasse.

Nun ja. Jetzt hab ich einen Bundesliga-Verein für mich entdeckt. Und zwar einen, den ich in meiner ersten Saison gegen die Kickers Offenbach rausflogen sah. Das ärgerte mich damals noch nicht so sehr wie das Europaleague-Aus kurz danach, aber in meiner zweiten Saison erlitt meine Begeisterung für den DFB-Pokal spätestens einen empfindlichen Dämpfer. Trotz des Erfolges bisher – aber allein die theoretische Möglichkeit, gegen einen Zweit- oder Drittligisten rauszufliegen, macht mich fertig. Der heiß geliebte Pokal ist auf einmal etwas, was man mit halb geschlossenen Augen schaut, damit man das Elend im Zweifel gar nicht zu Gesicht bekommt. Selbst die Schadenfreude packt man schön weg, besonders wenn der eigene Verein am zweiten Spieltag spielt und möglicherweise noch eine viel schlimmere Pleite einfahren könnte.

Diesmal spielt der BVB am ersten Spieltag. Allerdings möchte ich mir den Spott gar nicht vorstellen, der beim Ausscheiden gegen einen Regionalligisten im Viertelfinale anfallen würde. Vor allem, wenn das Spiel so aussieht wie mein geliebtes Viertelfinale 2006 am Millerntor.

Ich hasse den DFB-Pokal.

8 Kommentare

  1. Anonymous · · Antwort

    Aber grad so noch mal gut gegangen. 😉

  2. Gerade so, ja. ;)Das Thema Platzbedingungen ist so eine Sache. Im Grunde stimme ich Dir zu, dass sich auch die Bundesligisten damit abfinden m??ssen, nicht immer unter Top Bedingungen zu spielen. Wieso gehen wir dann nicht gleich in die Halle? Beide Vereine m??ssen sich eben auf die Bedingungen einstellen. Was ich bei den Bedingungen im Spiel gegen Kiel nicht verstanden habe, ist, weshalb Klopp nicht fr??her gewechselt hat. Das Spiel war sicher und an seiner Stelle h??tte ich Kagawa und Lewa zur HZ rausgenommen, wegen der Verletzungsgefahr. Aber ja nu, das ist ja auch nochmal gut gegangen.

  3. Hehe, dein Artikel gef??llt mir sehr gut! DFB-Pokal ist einfach eine Hass-Liebe! Herrlich, wenn Zweit- oder Drittliga-Vereine die erfolgsverw??hnten Vereine rauskicken, aber nur solange es den eigenen Verein nicht trifft 😉

  4. das videos mit solchen anst??ssigen inhalten immer noch auf youtube zu finden sind. ekelhaft.schade, dass nicht beide rausfliegen konnten.

  5. Stimmt. Wie war eigentlich dein Derby so?

  6. bis auf das ergebnis, die einlasskontrollen und die neuen z??une im block toll.

  7. Neue Z??une? Wie, zwischen den Bl??cken?

  8. 25a wurde mit h??heren z??unen, eigenen zug??ngen und doppelten sicherheitskontrollen versehen… aber alles halb so wild. etwas nervig halt.

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