Jemanden zum Fan machen: Eine Anleitung

Neulich fragte mich ein fußballaffiner Mann, wie er denn wohl seine Freundin zu ähnlicher Begeisterung wie mich führen könnte. Nun ja, erstens braucht es dazu wohl Grundbegeisterung – ist ja nicht so, dass ich Fußball erst gestern entdeckt hätte, nur halt Bundesliga-Fußball. Wenn man den erstmal für sich entdeckt hat und den Sportteil der Zeitung intensiver studiert, dann ist eh alles vorbei und man weiß auch, wer in der englischen Liga die Tabelle anführt. Geklappt hätte das an dieser Stelle beschriebene Projekt aber nicht, wenn da nicht zwei Dinge gewesen wären: Erstens wundervoller, atemberaubender Fußball und zweitens die Fans, die ihre Leidenschaft so bereitwillig weiterreichen.

Ich sage ganz offen: Wenn in der Bundesliga langsamer Rumpelfußball gespielt würde, wäre ich kein Fan. Hätte ich nicht zu Beginn meiner ersten Saison durch einschlägige Ruhrpott-Vorbelastung bereits eine Wahl getroffen, so wäre es irgendwann wahrscheinlich doch auf Dortmund herausgelaufen. Bei meinem letzten Stadionbesuch, dem Rückrundenauftakt gegen den HSV, genoß ich zwischen den häufigen Torjubeln in Ruhe die Kombinationen und die Geschwindigkeit auf dem Platz. Also, die von Dortmunder Seite, der HSV verweigerte ja das Mitspielen. Gleiches gestern in der ersten Halbzeit gegen Hoffenheim. Deswegen mag man doch Fußball, oder? Spielfreude, Spielkunst, Tempo. Deswegen ist die holländische Nationalmannschaft auch so fest in meinem Fanherzen verankert, auch wenn ich mit meinem anderen Nationalteam erfolgreicher war – aber es sah bei Holland immer so verdammt gut aus! Natürlich kann man nicht immer so spielen. Natürlich ist auch diese Spielweise nicht immer die Erfolgreichste (siehe Holland). Aber wenn sie das Ziel und die Philosophie ist, dann reicht mir das schon. Dann dürfen zwischendrin auch mal häßliche Arbeitssiege dabei sein. 

Also, Tipp 1: Zeigt dem zukünftigen Fußballfan gute Spiele. Richtig gute Spiele. Also welche von einer der beiden Borussias, am besten. Oder irgendeine rasante Aufholjagd von Werder Bremen, oder einen grandiosen Kontersieg von Hannover. Ihr werdet schon was finden – die Bundesliga ist nämlich echt überraschend unterhaltsam, wenn man sich erstmal eingegroovt hat. Wenn ihr die Person dann noch ins Stadion mitnehmt, wo man das Spiel ohne nervigen Kommentar und mit besserem Überblick und tausendfach besserer Stimmung sieht, ist die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung schon recht groß.

Den zweiten Tipp setzt ihr vermutlich schon um, wenn ihr jemand mit dem Fußballfieber infizieren wollt. Eine Anekdote hierzu: Südtribünen-Premieren-Beschaffer Till beschloss zum „Pay a Blogger Day“ im November, dass er mich lieber einen Monat lang bezahlen wollte. Und zwar mit Borussia Dortmund-Nachhilfe in Adventskalender-Form. 24 Tage lang bekam ich sorgfältig geschriebene Mails mit Geschichten aus seinem Fanleben, rund um Erfolge und Misserfolge der Borussia und zahlreichen Videos und Fotos von legendären Momenten. Nicht nur war ich bis Weihnachten bestens informiert, auch die Mischung von Tills Nachhilfestunden war großartig. Langweilt Noch-Nicht-Fans bitte nicht mit Statistiken und Zahlen. Ehrlich gesagt, langweilt bitte niemanden mit Statistiken und Zahlen. Interessiert kein Schwein, kann man alles ergoogeln. Was man nicht ergoogeln kann, ist das Gefühl bei einem grandiosen Auswärtssieg. Die Verzweiflung nach einem üblen Pokalaus. Die Emotionen, die Fans mit bestimmten Spielern verbinden. Oder die Fassungslosigkeit nach so etwas, einem meiner Adventskalender-Highlights:

Aber: Gestern Nachmittag saßen auf meiner Couch ein Bayern-Fan mit seiner fußball-, aber nicht vereinsbegeisterten Freundin. Man kann nicht sagen, dass er es nicht probieren würde. Aber ihre Liebe zu Bayern hat sie immer noch nicht entdeckt. Vielleicht sollte er es in einer anderen Saison nochmal probieren. Denn irgendeinen magischen Moment auf dem Platz braucht es irgendwie schon, egal wie viel Begeisterung man in seinem Umfeld hat. 

 

2 Kommentare

  1. Sch??n geschrieben. 🙂 Ich denke auch, dass ein Stadionbesuch, besonders nat??rlich in Dortmund, einen ziemlichen Eindruck hinterlassen kann. Damit w??rde ich es wohl auch probieren. Und auch die Sache mit den Holl??ndern kann ich gut nachvollziehen. Ich mochte die auch schon immer, selbst ohne Siege. Wenn sich Spielkunst und Erfolg aber paaren, verliert man noch schneller sein Herz. Es ist glaube ich momentan nicht schwer, von Dortmund, Barcelona, Spanien oder Deutschland begeistert zu sein, um ein paar Beispiele zu nennen. Bayern hingegen ist ziemlich unsexy, da hat Dein Couch- Besucher leider schlechte Karten. 😉

  2. Anonymous · · Antwort

    Der hat sich seit Samstag Mittag gar nicht mehr gemeldet, der Bayern-Fan. Ob ich mir Sorgen machen muss? 😉

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