Weniger Zeit, weniger Geld, mehr Fußball

Da kann ich aber jetzt nichts für. Wegen der unverhofften Meisterschaft war dieser Blog in die Verlängerung gegangen – denn Erfolgsjahre zählen nicht. In einer Meistersaison Fan werden, das erschien mir zu einfach.

Tja. In einer Meistersaison Fan bleiben, ist auch einfach. Ich bin verliebt. In den schnellen Lukasz, den schönen Mats, den dumpfen Kevin und seit der 85. Minute des Rückrundenspiels gegen Bayern find ich nicht einmal mehr den Roman doof. Man kann das nicht schön reden. Ich habe mir wohl den denkbar besten Moment ausgesucht, ausgerechnet den BVB gut zu finden. Oder den schlechtesten, wenn es nach Menschen geht, die Fans wie mich als Erfolgs- und/oder Mode-Fans bezeichnen.

Das „Projekt“, das Ausgangsbasis für diesen Blog war? Längst gelungen. Ich wollte Interesse für die Bundesliga bei mir selbst wecken, weil ich schlicht nicht verstehen konnte, warum mich Vereinsfußball all die Jahre nicht interessierte. Wäre daraus ein mildes Interesse entstanden: Gut. Was ich nicht vorhersehen konnte: WIE toll ich die Bundesliga tatsächlich finden würde. Wo war ich all die Jahre? War es vielleicht Selbstschutz vor meinem eigenen Fußballwahn, der Interesse zwischen den EM/WM-Jahren verhinderte? Vor der Bundesliga war mehr Zeit. Vor der Bundesliga war mehr Geld (Sky Abo, Tickets, Fahrten nach Dortmund). Vor der Bundesliga war aber auch ein unvollständiges Bild von Fußball. Ich kannte nur Nationalspieler, nicht aber deren Vereinsleistungen. Feinheiten der Kaderwahl entgingen mir ganz, mir fehlte der Kontext.

Klick machte es zwischen mir und der Bundesliga nach meiner ersten Länderspielpause. Deutschland gegen Türkei. Lukas Podolski gegen Nuri Sahin. Eine Woche später dann Poldi gegen Nuri in der Bundesliga. Der Moment, als Poldi auf dem Platz höhnisch das Ergebnis des Länderspiels gen Nuri zeigte und Sahin sich nach seinem Last Minute-Siegtor nicht minder höhnisch revanchierte – der war es! Dieser eine Moment, der mich noch nicht gänzlich zum BVB-Fan machte, aber zum Fan der Bundesliga. Der Nickligkeiten zwischen Spielern, Vereinen, Managern. Der grandiosen Spiele, der Kampfspiele und der Krampfspiele.

Die „Vereinswahl“ war anders. Immer und immer wieder wurde mir gesagt, dass man sich den Verein nicht aussuchen kann. Ich bin mir inzwischen fast sicher, dass das irgendwie stimmt. Zu Beginn dieses Blogprojekts „wählte“ ich den BVB. Den Verein der meisten meiner Freunde, den Verein, dessen 100-Jahr-Sonderheft ich nicht allzu lange zuvor förmlich verschlungen hatte. Das Sonderheft war eigentlich ein Geschenk für meine Freundin. Ich hab’s vor ihr gelesen, und die tragische Geschichte von Größenwahn und Pleite hat sich eingebrannt. Meine Freundin warnte mich noch eindringlich, ja nicht BVB-Fan zu werden, das wäre zu deprimierend.

Naja. In den Fußball dieser Mannschaft hätte sich in meinen ersten beiden Saisons jeder verliebt. Der eine Moment, der mein Herz zum Rasen brachte, war allerdings im Stadion. Die Südtribüne jagte mir Ehrfurcht ein. Und Begeisterung. Und sie machte mich dort, vor Ort, gegen den Hamburger Sport Verein, zum Fan. Vorher hatte ich mir schon ein Trikot besorgt, mich an dieser Stelle mit „Fan werden“-Aufgaben beschäftigt. Das hat alles irrsinnig Spaß gemacht. Aber letzten Endes wählte ich meinen Verein dadurch aus, dass mein Herz einen Sprung machte, als ich von „echten“ Fans umgeben war. Ab diesem Moment war ich hoffnungslos verloren.

Ob ich auch noch Fan bin, wenn der schnelle Lukasz, der schöne Mats und der dumpfe Kevin durch neue Helden ersetzt wurden? Oder wenn der BVB auf einmal gegen den Abstieg spielt? Keine Ahnung. Werde ich rausfinden. Die Bundesliga, von der bleibe ich nämlich ganz definitiv Fan. Endlich Fußball das ganze Jahr über.

2 Kommentare

  1. datLars · · Antwort

    Hach, die Geschichte ist so bewegend, man sollte einen Film daraus machen. *pipiausdenaugenwisch* 😉 Hat Dich das Borussia- Marketing noch gar nicht angesprochen, um die Geschichte auszuschlachten? Und wie kommt eigentlich Dein nicht-fu??ballaffines Umfeld mit der neuen Ina klar?

  2. Alexander · · Antwort

    Super geschrieben. Macht richtig Spass Deine Euphorie zu sp??ren. Ja, unsere S??d ist schon ein geiles St??ck Fankultur! Das muss man erlebt haben, um zu verstehen, warum Dortmund nicht ohne den BvB funktioniert. Ich denke aber, dass die n??chsten Jahre auch noch sch??n und spannend bleiben mit dem BvB. 🙂 LG aus der Meisterstadt

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