Umschaltschwierigkeiten

Seit dem letzten internationalen Turnier der deutschen Nationalelf ist in meinem Fußballfan-Dasein bekanntlich etwas passiert. Von vollkommenem Desinteresse am Vereinsfußball hin zu frischer Verliebtheit in Dortmunder Offensivfeuerwerke und so. Aber: Meine erste große Fußballliebe ist die Nationalelf. Na gut, ehrlich gesagt ist es sogar die holländische Nationalelf, mit der ich den ersten Turniersieg meines damals noch jungen Lebens feierte (das Jahr brauche ich praktischerweise nicht zu nennen, denn so viele Titel hat die Elftal ja nicht). Die Zuneigung zu Jürgen Klinsmann, Loddar und all den anderen war im Anschluss an meine erste EM dann aber doch immer größer.

Und jetzt? Jetzt habe ich mich zwei Jahre lang gründlich in Mats Hummels, Mario Götze und Sven Bender verknallt, bin also aus der Perspektive der meisten langjährigen Fußballfans vom Eventfan zum Erfolgsfan geworden. Beide Labels sind mir übrigens reichlich egal und dürfen gerne nach Belieben auf mich angewandt werden. Die Zuneigung zu meiner zweiten/dritten Fußballliebe ist nun recht schnell so weit gediehen, dass ich das erste Mal Nationalmannschaftsspiele schaue und genervt die Aufstellung moniere. Und zwar nicht, weil Leute spielen, die ich eh noch nie mochte (aus der Riege des Ligahauptkonkurrenten wären das Kroos und Gomez, und Robben in der Zweitelf), sondern weil so viele Bayernspieler spielen. Ich will mich darüber nicht ärgern. Ich will das nicht einmal bemerken. Ich wünschte mir gestern vor dem TV kurz meine vereinslose Zeit zurück. Andererseits hätte ich damals ja gar nicht gewusst, wie viel Talent auf der deutschen Bank schlummert. Und damit meine ich nicht nur die Dortmunder, Lars Bender und André Schürrle hätte ich früher nicht gekannt.

So einfach ist das mit dem Umschalten gar nicht. Zumindest, so lange die Nationalelf nicht berauschend spielt. Der fröhliche und nervtötende Medienhype um Bayern vs. Dortmund tut sein Übriges – wie soll man denn bitte zugeben können, dass Boateng die bessere Wahl als Schmelzer ist, wenn von den Medien daraus bayerische Überlegenheit – oder eher Dortmunder (internationale) Unterlegenheit – konstruiert wird? Da lobe ich mir wirklich die Redaktion von Spielverlagerung, deren nüchterne Taktikanalysen vollkommen frei von solchen Vereinserwägungen sind. Bis zur EM habe ich mir nach dem gestrigen Test geschworen, nur noch diese Taktikanalysen zu lesen. Wenn der Medienhype und das Gehacke der Fans untereinander ab dem 9. Juni genauso weitergeht, werde ich dann sogar in Twitter- und Medienstreik treten (Lachen Sie übrigens an dieser Stelle gerne herzlich!). Denn da auf dem Platz ist meine Elf. Ich möchte sie nicht mit Vereinsbrille sehen. Selbst wenn das heißen könnte, dass der Name auf meinem Trikot nicht in einer Startaufstellung zu lesen sein wird.

ein Kommentar

  1. Bernhard v.B. · · Antwort

    Wie gewohnt gekonnt formuliert!
    Allerdings stört mich diese permanente Ignoranz des Bundesjogi, was die Qualiäten von Spielern, die nicht beim FCB spielen, angeht, inzwischen dermaßen, dass ich fast überlege ob es mich freuen würde, wenn diese gepimpte FCB Elf in der Vorrunde vom Platz geschossen wird.
    Ich kann auch nicht mehr hören, wenn man z.B. bei Humels sagt er hätte ja sooo schlecht gespielt. Komisch, dass er das nur in der N11 tut. Vielleicht setzt man ihn dort auch nur falsch ein? Dito mit Götze u.a.

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