Top 5 EM-Highlights

Es geht los, es geht los, es geht los! Um meine Aufregung vor den ersten deutschen und holländischen Spielen morgen etwas zu dämpfen, habe ich meine EM-Erinnerungen durchwühlt und nach guter alter Social Media-Schule in eine Liste gefügt. Meine Top 5 EM-Momente in Reihenfolge des emotionalen Kribbelns, das sie in mir auslösen.

5. Finale gegen Dänemark, 1992

Seltsame EM. Ich kann mich an kaum noch etwas erinnern. Nur an eines: Ich gönnte Dänemark den Titel aus ganzem Herzen. Erinnern kann ich mich an den Jubel von Danish Dynamite, an Thomas Häßler und sonst nicht viel. Im Gedächtnis bleibt mir, dass ich absoluten Underdogs sogar einen Sieg gegen meine eigene Mannschaft gönnen kann. Vielleicht war ich aber auch einfach als Kind etwas milder gestimmt. Hauptsache ich durfte lang aufbleiben und Fußball gucken.

4. Finale gegen Spanien, 2008

Dieses Spiel ist besonders: Es ist nämlich das einzige deutsche Hauptrundenspiel bei einem internationalen Turnier, das ich nicht bis zum bitteren Ende geschaut habe. Mein Gefühl war vorher schon schlecht, dann stolperten Jogis Jungs so hilflos über den Platz, dass ich nach 20 Minuten schon keinen Zweifel mehr hatte: Das geht nicht gut aus. Ich ging nach Hause und schaltete dort noch einmal für die letzte Viertelstunde ein. Deutschland war offenbar noch nicht so weit. Und ich bedient. Keine Spur mehr von kindlicher Milde.

3. Vorrundenaus 2004

Da war sie, meine Albtraumvorrunde. Meine Mutter, die sich eigentlich nicht für Fußball interessiert, aber irgendwie noch im Kopf hat, dass Holland mal die EM gewonnen hat und deswegen besser ist als Deutschland, prognostizierte schon das Richtige. Gut, sie prognostiziert immer, dass Holland besser abschneidet als Deutschland, aber diesmal hatte sie Recht. Es interessierte mich aber nicht. Unter Ribbeck hatte ich mich schon entliebt. Unter Völler war es ganz vorbei, selbst im WM-Finale 2002. In den Völler-Jahren hießen meine Teams Oranje und Brasilien. 2004 hielt ich übrigens auch zu Portugal. Vielleicht sollte man mich nicht als Maskottchen haben. Es sei denn, man ist der BVB.

2. EM Sieg der Oranje, 1988

Der eine magische Moment, der mich zum Fußballfan machte. Ich war 7, kann mich bis heute ehrlich nicht daran erinnern, dass die EM in Deutschland war. Aber an das Finale im Hollandurlaub. Und orangefarbenen, ekstatischen Jubel. Meine Angst vor Feuerwerkskörpern entstand übrigens ebenfalls an diesem Abend.

1. Das Golden Goal, 1996

Der sprichwörtliche Moment für die Ewigkeit. Was für ein Oliver Bierhoff-Fan ich war, ganz im Wahn jugendlichen Hormonüberschusses! Und dann trifft er. Wir zögern alle – war’s das? Wie war das mit dem Golden Goal? Und dann zieht er sein Shirt aus. Wir – und meine Teenager-Hormone – jubeln.

 

Von der EM 2012 wünsche ich mir nur eines: Ich möchte so jubeln, wie die Erwachsenen um mich herum 1988 und 1996. Denn in meinem Erwachsenenleben sah ich noch keinen Titelgewinn. Wird also echt mal Zeit. Ich will auch mal ein Bierglas auf die deutsche Nationalmannschaft erheben! Ja, auf die deutsche Nationalmannschaft. Denn diesmal ist mein schwarz-rot-goldenes Fanherz definitiv größer als sein orangener Kumpel. Weil sie’s verdient haben.

3 Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel, Ina. Da kommen doch auch bei mir viele gute Erinnerungen hoch! Meine erste richtige EM, an die ich mich bewusst erinnern kann, war die EM 96 – und was war das für ein Fest!

    Ich weiß noch zu gut, wie wir mit ein paar Freunden bei meinen Großeltern saßen – und dann kam irgendwann der Jubel! Freunde von mir hatten noch Feuerwerkskörper aufgehoben – das Knallen und Raketen abschießen ging los und was haben wir gefeiert, so gut es eben mit meinen 10 Jahren ging. 😉

    Und auch ich habe seitdem diesen einen Wunsch – einen Titelgewinn so richtig erleben. Blieb mir bisher verwehrt … als HSV-Fan konnte ich auch da noch nie wirklich jubeln (sei es nun als Erwachsener oder als Kind, beim letzten Titel war ich 1 …), von daher hoffe ich, dass mir Deutschland diesen Traum ermöglicht. Beim HSV werde ich wohl noch ein Weilchen warten müssen … 😉

    Ich hab hier übrigens ne EM Keeeb Seite mit witzigen und praktischen Apps, Videos, Bildern, Tippspielen, EM iCal und Google Kalender, Spielplänen, die besten Public Viewing Orte und noch vielem mehr erstellt. Vielleicht kann es ja jemand gebrauchen – http://keeeb.it/230/euro_2012/

  2. da ich ja (nicht) unwesentlich älter bin *g* gehen meine Erinnerungen an fußballerische Highlights bis die glorreichen 70er Jahre zurück. Die Supermannschaft von 1972 habe ich nur am Rande mitbekommen, aber 1974 war ich schon voll am mitfiebern. Dann kamen ja auch die großen Jahre meines Lieblingsclubs, dessen Spieler dann auch bei Jupp Derwall mitkicken durften und mit den beiden Toren von Horst Hrubesch vergoldet wurden.

    In den 8oer Jahren ging es also erst mal gut los, auch dank dem jungen Bernd Schuster, der leider im deutschen Team 1980 nur diesen einen Sommer tanzen durfte … man stelle sich nur mal vor, der in Spanien mit allen großen Mannschaften Titel holte, wäre in den beiden WM-Endspielen 1982 und 1986 dabei gewesen. Aber der konnte nun leider nicht über den Schatten seiner Gaby springen, die tatsächlich eine Million DM Antrittsgage für die WM in Mexiko forderte!

    Die 90er begannen mit dem wahnsinnigen Titel in Italien und den wahnwitzigen Sprüchen des „Übervaters“ Beckenbauern, der das deutsche Team aufgrund des Zusammenschlusses mit der DDR nun „auf Jahre unschlagbar“ befand. Kontraproduktiver hat selten ein Sportlehrer seinem Nachfolger eine Hürde aufgebaut, an der Berti Vogts nur scheitern konnte.

    Zu der Zeit bin ich alljährlich zum Roskilde-Festival nach Dänemark gefahren und habe dort auch das Endspiel 1992 gesehen … die Freude über diesen überraschenden Titelgewinn hat mich so mitgerissen, dass mir die rot-weißen noch heute sehr sympathisch sind – auch durch den Jackpot, den ich nachträglich zuhause in Empfang nehmen konnte, weil natürlich außer mir keiner einen Pfifferling auf die Dänen setzte.

    1996 war dann das Jahr des Berti … und des Oliver Bierhoff, der eine Sternstunde erleben durfte – leider habe ich das goldene Tor nicht live gesehen, weil zeitgleich David Bowie auf der orangenen Bühne in Roskilde spielte … daher war die Freude über den Titel auch nicht so groß wie bei vorangegangenen Events … die Begeisterung für den internationalen Fußball war zu der Zeit eh nicht so ausgeprägt – damals hab ich mich eher auf lokale Teams wie den BV Cloppenburg oder den VfB Oldenburg konzentriert.

    Mit den Jahren schwand die Emotion zum „Schland“, dass ja noch nicht so hieß … (hämische) Freude kam meist auf, als HSV-Spieler den Deutschen einschenkten, wie z.B. John Jensen (im Finale 92) oder Yordan Letchkov (Viertelfinale 94) – aber dieses Traraa um Flachpfeifen wie „Loddar“ und Effenberg ging mir konkret gegen den Strich – das war nicht „mein Deutschland“

    Noch schlimmer wurde es dann zur Jahrtausendwende, als das schwarz-weiße Team beinahe regelmäßig von besseren „B-Teams“ vernascht wurde oder wie es sich in ein WM-Endspiel 2002 mogelte, wo es nun wirklich nicht hingehörte.

    Mit der WM 2006 fand eine Trendwende statt, deren Auswirkungen das ganze System „durchgelüftet“ hat und die bis heute andauern! Dass selbst Holländer und Engländer die Spielkunst des deutschen Teams in höchsten Tönen preisen hätte man sich noch vor einem Jahrzehnt nicht vorstellen können!!

    Well done, Löw + Sammer!!

  3. Hui, was für ausführliche Kommentare! Danke dafür!

    Ja, Switch, deine Beschreibung der Jahre nach dem letzten Titelgewinn kann ich genau so unterschreiben. Deswegen hat mich der rumpelige Sieg gestern aber auch tendenziell wahnsinnig gemacht. Da ist noch Luft nach oben.

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