Frauen, die auf Fußballer starren

Ihr kennt das. „Ist der Süss!!“-Rufe beim Rudelgucken. Anzügliche Aufforderungen an Mario Gomez, doch bitte sein Trikot schnell zu tauschen. Und fast alles mit Christiano Ronaldo. Falls ihr männlichen Geschlechts und heterosexuell seid, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass ihr bei so etwas schon einmal genervt/amüsiert die Augen verdreht habt. Oder ihr habt euch mächtig drüber aufgeregt.

Warum eigentlich? Warum ziehen sich viele Männer (das heterosexuell bitte ich im folgenden Text einfach mitzudenken) dermaßen an der weiblichen Freude an gut gebauten Sportlern hoch? Wohl gemerkt gerne, obwohl sie selbst bei jedem Kameraschwenk über schwedische Fan-innen den nächsten Skandinavien-Urlaub ankündigen. Ich meine da verschiedene Typen ausgemacht zu haben.

1. Der Hardcore-Fan: Hasst einfach alles, was vom Spiel ablenkt. Fähnchen, Länderfarben, Spaß, Kommentare über Aussehen statt Spielvermögen von Fußballern. Tipp für diese Spezies: Einfach alleine vor’m heimischen TV schauen. Dann bei EM-Sieg ein Bier aufmachen und mit sich selbst anstoßen. Um jeden Preis alle Arten von Rudelgucken vermeiden. Und Sprüche über das Aussehen gerade von gegnerischen Spielern („Ist der häßlich/klein/doof/dumm“) bitte ebenfalls unterlassen, geht ja nicht um Fußball.

2. Der Neider: Seine Ablehnung von anzüglichen Sprüchen steigt meist proportional zum eigenen Bauchumfang. Hat noch nie in seinem Leben selbst einen Ball getreten, schon gar nicht erfolgreich. Die Bemerkungen über Mario Gomez‘ Sixpack oder Mats Hummels‘ hübsches Gesicht treffen ihn vor allem deswegen so sehr, weil sie ihn schmerzhaft auf eigene Unzulänglichkeiten hinweisen. Tipp für Umstehende: Wenn er zu sehr nervt, einfach auf genau diese Tatsache hinweisen. Sofortiges Schweigen garantiert.

3. Der „Ich mag nicht, wenn Frauen so reden“-Typ: Findet es generell seltsam, wenn Frauen sexuelles Interesse an irgendwas zeigen. Er darf natürlich. Tipp für Umstehende ist in diesem Fall, es so sehr auf die Spitze zu treiben, dass er sich verzieht, weil es ihm unangenehm ist. Tipp für den Typus selbst ist: Zeitreise etwa 40 Jahre zurück, dürfte reichen.

Es gibt verschiedene gendertheoretische Ansätze, warum wir überhaupt Sport schauen und wie viel das mit Sexualität zu tun hat. Die erspare ich euch mal und fasse zusammen: Sport formt den Körper. Profi-Sportler beiderlei Geschlechts haben daher meist recht ansehnliche ebensolche. Eine Maria Sharapova ist nicht nur wegen ihres sportlichen Könnens die bestbezahlte Sportlerin der Welt. Ein Mats Hummels ist nicht nur wegen seiner fußballerischen Begabung das gefühlt beliebteste Werbegesicht der deutschen Nationalmannschaft. Das Aussehen von Sportlern ist für die Leistung auf dem Platz vollkommen wurscht. Aber für die ästhetische Wahrnehmung eines Sports nicht, weswegen Menschen beiderlei Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung gerne anderen Menschen, die sie als attraktiv empfinden, beim Sport zuschauen. Deswegen ist Meckern über „Ist der heiß!!“-Kommentare genau so wie Autofähnchen abbrechen: Ein bisschen dämlich. Und ganz schön überflüssig.

3 Kommentare

  1. Gerade mal versucht meine eigene Perspektive zu reflektieren.. Gar nicht so leicht.
    Ich GLAUBE:

    1. Mich nerven bestimmte Menschen beim Fußball mehr als andere. Dabei am ehesten die „ich krieg 2 Jahre nix vom Spiel mit, aber wenn EM/WM ist bin ich größter Fan ever von denen da auf dem Rasenplatz. Was war nochmal Abseits? (gilt wahlweise auch für andere Sportarten)

    2. Wenn *solche* Menschen mit „Ist der/die Süß“ ums Eck kommen gehen sie mir auf den Zeiger. Allerdings eher weil das quasi der prototypische „Ich hab keine Ahnung und auch keine Bereitschaft das zu ändern“-Satz ist, weniger weil es dem ganzen Sex hinzufügt.

    3. Von daher kann ich jede/n an Männern interessierten (muss ja nichtmal sexuell sein, ich als Hetero-Typ kann ja auch Mats Hummels Grinsen auf dem „Nach-dem-NL-Match-Foto“ süß finden..) verstehen, der halt wen süß findet.

    Führt dazu, dass es mir eigentlich erst dann auf den Keks geht, wenn das „süß finden“ über dem Interesse am Spiel (und von mir aus der dazugehörigen Fußballkultur, whatever) übersteigt.
    Twitterbeispiel: „Schnucki“ Gomez. Alle, die ihn in meiner Timeline so nennen, beschäftigen sich eben AUCH mit dem Fußball und nicht nur mit dem Sixpack. Solang ist das total okay, und für mich eher lustig.

    Was komplett anderes ist das übrigens in den Medien. Mich ärgert es fast schon physisch, wenn die Kameraregie während des Spiels einzelne „hübsche Mädchen“ einfängt. (Was hat das mit Fußball zu tun? Warum werden nie Kerle mit Sixpack gezeigt?) Oder alternativ Promis, Ausschnitte von der Fanmeile. Zeigt das verdammte Spiel.

    1. Komplett und 100% Zustimmung, Sebastian! Mich nerven die Nur-„Oh ist der süüüüüß“-Mädels beim Rudelgucken massiv, vor allem wenn sie das mit kokettem Augenaufschlag und „Ich hab doch keeeeine Ahnung“ kombinieren. Unter anderem wegen solcher Frauen müssen sich selbst Fußballmoderatorinnen Fragen nach Spieleraussehen statt Taktik gefallen lassen. Aber: Es gibt oben genannte 3 Typen (gut, überspitzt und in der Regel nicht ganz so extrem), die ewig darüber dozieren können, dass das Kommentieren von Spieleroptik per se scheiße ist. Und das ist hoffnungsloser Schwachsinn.

      Übrigens hilft gegen die anfangs beschriebenen Mädels: Ausblenden & aufs Spiel konzentrieren oder gleich Rudelguck-Veranstaltungen mit hoher Konzentration solcher, ja meist recht junger, Mädels vermeiden. Mich nervte genau dieses Phänomen beim Spiel Portugal – Deutschland massiv, was aber daran lag, dass ich das Spiel scheiße fand und mich deswegen überdurchschnittlich stark auf die Leute um mich herum konzentrierte. Wenn das Spiel gut ist, merke ich die gar nicht. Genau so wenig wie Typus 1-3, die hinter mir saßen. Es war so ein Spaß.

      1. Ehrlich gesagt finde ich selbst im Stadion die Begleiterscheinungen oft mindestens genauso unterhaltsam wie das Spiel. Das wertet sich ja nicht ab, sondern eher gegenseitig auf. Von daher kann (überspitzt gesagt) „über Dumpfbacken amüsieren“ ja auch durchaus lustig sein…

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