Review: Skyfall

Sein Name ist Craig. Daniel Craig. Und seit er James Bond ist, ist Bond ein klein wenig anders, moderner, düsterer, man könnte fast sagen einen Touch „realistischer“. Letzteres natürlich in Maßen, denn ein Bond ist ein Bond ist ein Bond.

Skyfall wurde mit wahnwitzigen Vorschusslorbeeren überschüttet, bester Bond-Film aller Zeiten, teuerster auf jeden Fall. Normalerweise haben es solche Filme schwer, mit den Erwartungen mitzuhalten – so auch Skyfall. Der Film besticht durch außergewöhnliche Bilder (kein Wunder, für die Kamera zeigte sich Roger Deakins, der Haus- und Hof-Cinematographer der Coens Brüder, verantwortlich – guter Blogpost zur Cinematography hier: Why Skyfall is a Masterclass in Cinematography), herausragende Darsteller und den ein oder anderen klassischen Wow-Moment, wie man ihn von Bond erwartet. Allerdings könnte er wesentlich straffer erzählt sein, 143 Minuten sind viel zu lang. Insgesamt nicht so überragend wie „Casino Royale“, aber ganze Längen besser als „Quantum of Solace“. Absolute Highlights: Javier Bardem als Bösewicht, die Verfolgungsjagd zu Beginn des Films und eine der besten Bond-Titelsequenzen überhaupt.

ACHTUNG! AB HIER ENTHÄLT DER REVIEW SPOILER! BITTE ERST NACH DEM KINOBESUCH LESEN!

Der Film war für mich klar zweigeteilt – bis Bond mit Silva nach London zurückkehrt, bewegt er sich munter durch alle Säulen eines Bonds. Schöne Frauen, schöne Locations, spektakuläre Kampfsequenzen. Vorher noch die obligatorische lustige Sequenz mit Q, dessen Neubesetzung mit Ben Whishaw (Cloud Atlas, Das Parfüm) gut gefiel. Nicht schlecht, aber ein bisschen zu sehr nach Bond-Checkliste abgespult. 0815 halt, lediglich durch besonders beeindruckende Bilder und grandiose Location-Ideen – die man bei Bondfilmen aber erwartet – interessant. Javier Bardem liefert in seiner ersten Szene den besten Auftritt eines Bond-Bösewichts aller Zeiten, mit einem geschliffenen Monolog und einer Darstellungsweise irgendwo zwischen flamboyantem Playboy und angsteinflößendem Psychopathen. Oscarwürdig! Schon wieder. Die homoerotisch angehauchte erste Begegnung zwischen Bond und Silva ebenso außergewöhnlich. Eine neue Facette des heterosexuellsten aller Actionhelden, dieses kühle „What makes you think this is my first time?“ Großer Applaus im Kino.

Ab London wird der Film fantastisch. Moderner Cyberterrorismus gegen altmodische Spionage, Handarbeit gegen Fernsteuerung, Bond und M gegen Silva und seine Computer. Judi Dench krönt den Abschluss ihrer 17jährigen Amtszeit als M mehr als würdig. Daniel Craig überzeugt mit einer hervorragenden Darstellung des körperlich und mental kaputten Bonds, der in der zweiten Filmhälfte zur alten Stärke zurückfindet. Mich überzeugte der Low-Tech-Bond in Schottland am meisten an diesem Film, auch wenn sich böse Zungen wahlweise an McGyver oder an Kevin allein Zuhause erinnert fühlen. Aber hallo, Judi Dench baut Nagelbomben. Wenn das nicht großartig ist, dann weiß ich auch nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s