„Gleichstellung“ ist in diesem Land nicht verfügbar.

Argentinien, Belgien, Kanada, Dänemark, Island, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Südafrika, Schweden. Teile von Brasilien, den USA, Mexiko. Und bald in Andorra, Kolumbien, Finnland, Frankreich, Luxemburg, Nepal, Neuseeland, Taiwan, Großbritannien, Uruguay. Eine hübsche Liste, oder? Diese Länder erlauben entweder bereits die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren, oder sie sind auf dem besten Wege. Und was hat Deutschland?

Jaja, eingetragene Lebenspartnerschaft. Die hatten viele der oben genannten auch schon und sind inzwischen einen Schritt weiter. Sogar das stockkatholische Irland hat eingetragene Partnerschaften, also weiter im Text. Jaja, diverse Gerichtsentscheidungen, die langsam die Lebenspartnerschaft der Ehe annäherten. Die nächste steht am 19. Februar an – dann entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob gleichgeschlechtlichen Paaren die „Sukzessivadoption“ erlaubt werden soll – dann dürfen eingetragene Lebenspartner das bereits adoptierte Kind des Partners ebenfalls adoptieren. Bisher ist das nur bei leiblichen Kindern erlaubt. Ein großer Schritt gen vollwertige Adoption. Und wieder ein Beispiel, wie die Politik in Deutschland die Verantwortung für Gleichstellung gerne an Gerichte abgibt. Hinterbliebenensicherung, Rentenansprüche, Gleichstellung im Beamtenrecht, Erbschafts- und Schenkungsrecht – bei all diesen Aspekten mussten Gerichte erst den Anstoß zur Gleichstellung geben.

Sparen wir uns doch endlich mal das ganze Geschacher. Es bedarf nur der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und schon muss nicht mehr über jeden einzelnen Aspekt von Partnerschaft diskutiert und vor Gericht entschieden werden. Aber nein. Hier regiert ja eine Partei mit „C“ im Namen, deren jüngere Vertreter zwar allmählich zum Thema Gleichstellung aufgeklärtere Ansichten vertreten, die sich aber ernsthaft von Kirchen in die Politik reinquatschen lässt. Ihr kleiner Partner ist eine Partei, die munter auf CSDs Wahlkampf betreibt, aber in der Regierung auf einmal unter partieller Amnesie leidet. Während sogar die britischen Konservativen und katholische Länder wie Spanien soweit sind und sich in Ländern in Brasilien mehr tut als hierzulande, guckt die Bundesregierung den Gerichten faul bei der Arbeit zu.

Mir reicht’s langsam. Die mangelnde Bewegung bei der Gleichstellung in Deutschland kommt als der gleichen Ecke wie die schwachsinnig ineffektive Familienpolitik und die Rückständigkeit in Geschlechterfragen: „Hat doch immer gut funktioniert, warum ändern.“ In letzter Zeit macht mein Land mich wahnsinnig. Können wir es bitte gemeinsam ändern?

ein Kommentar

  1. Ergänzend, weil es sehr gut zum Blogpost passt – hervorragender Kommentar der FR zum gleichen Thema: http://www.fr-online.de/meinung/leitartikel-gleiches-recht-fuer-alle,1472602,21742524.html

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