Empörung in Brasilien: Homophober Rassist wird Chef der Menschenrechtskommission

„Ich dachte, ich lebe in einem Land, in dem Pastoren in die Kirche gehören und Rassismus ein Verbrechen ist.“ Eines von tausenden Plakaten, die wütende Brasilianer am Wochenende bei Demonstrationen hoch hielten. Empörung geht seit Donnerstag durch das Netz und zunehmend auf die Straße – seit Marco Feliciano zum neuen Vorsitzenden der Menschenrechtskommission im brasilianischen Abgeordnetenhaus gewählt wurde.

Ein Auszug aus dem Gedankengut des neuen Menschenrechtskommissars, von Beruf evangelikaler Pastor und Abgeordneter aus dem Bundesstaat São Paulo: Afrikas Leid ist auf biblische Flüche zurückzuführen, Schwule und Lesben sind „krank“ (aber heilbar), AIDS ist „Schwulenkrebs“.  Feliciano wurde am Donnerstag mit den Stimmen seiner Parteigenossen von der weit am rechten Ende angesiedelten Partido Social Cristão (Christlich-Soziale Partei) in dieses Amt gewählt. Eine Entscheidung, die vor, während und nach der Wahl Proteste in Brasilien auslöste. Am Samstag versammelte sich tausende auf den Straßen in verschiedenen Städten in Brasilien, um gegen die Wahl zu protestieren.

Quelle: Instagram, mariasilvia2 (http://instagram.com/p/Wrc5shMXPH/)

Quelle: Instagram, mariasilvia2 (http://instagram.com/p/Wrc5shMXPH/)

In seiner neuen Position soll Marco Feliciano für die Einhaltung von Minderheitenrechten in Brasilien einstehen. Ob er dafür geeignet ist, darf angezweifelt werden. Per Twitter ließ er 2011 verlauten „Die schändlichen Gefühle von Homosexuellen führen zu Hass, Gewalt, Ablehnung. Wir lieben die Homosexuellen, aber verurteilen ihre promiskuitiven Praktiken.“ Afrika leide außerdem laut ihm unter Gewalt, Krieg, Armut und Krankheiten, weil der Kontinent von einem von Noah verfluchten Volksstamm abstamme. Nur ein kleiner Auszug seiner vielen mehr als grenzwertigen Äußerungen. Seine Partei lehnt nicht nur gleichgeschlechtliche Ehe, sondern auch verschiedene Anti-Diskriminierungs-Gesetze, Abtreibung (selbst bei Lebensgefahr für die Mutter) und unterstützt Programme zur „Heilung“ von Homosexualität.

Die Empörung über diese vollkommen unverständliche Wahl lässt sich im Netz verfolgen, unter dem Hashtag #ForaFeliciano (Raus mit Feliciano) twittern Brasilianer ihre Empörung, auf Instagram sind zahlreiche Bilder von den Protesten am Samstag zu finden. Auf Facebook gibt es viele Protestgruppen, die Facebook-Seite von Marco Feliciano selbst ist mittlerweile fast ausschließlich von Protestkommentaren überzogen – während er/seine Mitarbeiter die Seite und seinen Twitteraccount mit Links zu positiven Medienberichten (fast ausschließlich zu evangelikalen Medien, bezeichnenderweise) und Retweets von Unterstützer-Nachrichten fluten. Die Kinder-TV-Moderatorin Xuxa, ein absoluter Megastar im Land, ließ ihrer Wut in einem vielbeachteten Facebook-Post freien Lauf: „Jeder weiß, dass ich alle Religionen respektiere, aber dieser Mann ist kein Religiöser, er  ist ein Monster!“

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