Unverkäufliche Magie

Als extrem abergläubischer Fußballfan tendiere ich eigentlich zur Überinterpretation von „Zeichen“. Diesmal hätte ich also ein richtig gutes Gefühl haben müssen. Mein BVB-affiner Freundeskreis in Hamburg bekam geschlossen und anstandslos Tickets, wie in der Gruppenphase. War es in der Vorrunde Migräne, die mich am Spieltag ausknockte, diesmal war’s Heuschnupfen. Trug aber alles nicht zu Beruhigung bei, weshalb ich dann doch einigermaßen nervös am Begegnungsschal von eben diesem Gruppenphasen-Spiel gegen Real Madrid zupfte, der seitdem mein Champions League-Glücksbringer ist. Und noch ungewaschen nach der Bierdusche vom Málaga-Wunder.

1:0, achte Minute. Oh, das ging schnell. Vergesse kurz, dass ich noch damit beschäftigt bin, mich über die „Setzt euch hin!“-Menschen hinter uns zu ärgern. Habe ich im Westfalenstadion übrigens das erste Mal erlebt. Die Sitzenbleiber sollten ihre Bequemlichkeit aber im Laufe des Fußballabends noch vergessen.

1:1 – fuck, fuck, fuck. Einer dieser Momente, in dem man Mats Hummels gerne in den Arm nehmen und trösten möchte. Die Süd stimmt aufmunternde „Maaaa-aaats Hummels“-Rufe an, bin also nicht die einzige mit diesem Drang. Trost braucht Mats nach diesem kapitalen Bock auch. Auch wenn der BVB klar die bessere Mannschaft ist, ich bin jetzt nervös.

Aber wir haben ja Klopp und seine Ansprachen. Nach der Halbzeitpause geschieht Magie. Der BVB steigert sich von sehr gut auf absolut überragend, Lewa macht noch drei Tore – die Stimmung erreicht ein Level, das sich nicht mehr mit Worten beschreiben lässt. Selbst die Sitzenbleiber lassen sich anstecken. Nach dem 3:1 beben alle Tribünen minutenlang, mit einer Energie, die ich am liebsten in Flaschen abfüllen und mit nach Hause nehmen würde. Vergessen ist der Weggang von Götze (der übrigens höchstens vereinzelt Pfiffe bekam), vergessen sind all die Nebengeräusche, vergessen ist jeder Gedanke an den wahrscheinlichen Weggang von Lewandowski. Es zählt nur der Moment, in dem Borussia Dortmund Real Madrid schlug. Schon wieder. Nur höher. Souveräner. Besser. Magischer.

Lieber Uli (jepp, ich bin immer noch richtig sauer): Das da gestern Abend im Westfalenstadion? Das kannst du nicht kaufen. Für kein Geld der Welt.

3 Kommentare

  1. Kirsten hat bessere Worte gefunden UND wunderbare Fotos gemacht. Am schönsten ist das letzte Bild in ihrem Blogpost zum Halbfinale: http://kikandrun.wordpress.com/2013/04/25/der-abend-an-dem-wir-charakter-zeigten/

  2. […] Nach dem rauschhaften, magischen Heimsieg gegen Real Madrid im Halbfinale fand ich noch einmal ganz neue Glücksgefühle. Das Gefühl, mit einer Mannschaft […]

  3. […] Nach dem rauschhaften, magischen Heimsieg gegen Real Madrid im Halbfinale fand ich noch einmal ganz neue Glücksgefühle. Das Gefühl, mit einer Mannschaft […]

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