Zuversichtlich ins Finale. Umweg über graue Haare & Herzprobleme.

Manchester City, Ajax Amsterdam, Real Madrid. Und Borussia Dortmund. Na, wer hat da nicht gestöhnt, als diese unfassbare Kombination aus dem Lostopf kam? „Viel Spaß in der Europaleague“ war noch der netteste Kommentar von Fans anderer Vereine. Ich war zuversichtlich.

Sechs Spiele und einen Gruppensieg später war die Wettquote für einen CL-Sieg des BVB schon ordentlich gefallen (ich setzte nach dem Real-Spiel dennoch Geld, so sicher war ich mir auf jeden Fall, dass wir nicht nur anständig, sondern überragend abschneiden würden), alle nickten anerkennend. Ein schönes Gefühl, dass der Rest von Europa nun auch wusste, was das für eine tolle Truppe ist. Die Unkenrufe kamen dennoch immer wieder. Beim Auswärtsspiel in Donezk, eines von vielen Herzinfarkt-Spielen. Weniger nach dem Heimspiel gegen Donezk, als der Herzinfarkt ausnahmsweise mal ganz ausblieb. Eins änderte sich nicht: Mein unerschütterlicher Glaube, dass der BVB es weit bringen würde in der Champions League. Wenn nicht sogar bis nach ganz oben.

Dieser Glaube schwankte einmal bedenklich. Zuhause, gegen Málaga, nachdem das Hinspiel wieder so ein nägelkauendes und eigentlich überflüssiges, aber überragend gespieltes Unentschieden gewesen war. In der 82. Minute resignierte ich. Verstummte kurz, gab mich dem Elend einer Niederlage hin, überlegte schon, was ich auf die Pieksereien der Fans anderer Vereine erwidern würde. Und dann kam alles ganz anders. Im Jubeltaumel, mit dem Gefühl absoluter Unbesiegbarkeit, war mir der Rest der Saison egal. Diesen Moment, diesen einen, unfassbaren Moment des Glücks, den konnte der BVB nicht mehr toppen. Mein gesamtes Adrenalin, meine Stimmbänder, sie waren aufgebraucht, man würde sie ja dieses Jahr auch nicht noch einmal genau so brauchen.

Denkste. Nach dem rauschhaften, magischen Heimsieg gegen Real Madrid im Halbfinale fand ich noch einmal ganz neue Glücksgefühle. Das Gefühl, mit einer Mannschaft komplett zu verschmelzen, obwohl man „nur“ einer von 60.000 im Stadion ist. Nur ist gut. Immer im Westfalenstadion, aber besonders bei diesem Spiel, sind die 60.000 (bzw. 80.000) eigentlich eine Einheit, und die 11 auf dem Platz gehören dazu. Neben mir standen Stadiontouristen, offensichtlich das erste Mal im Westfalenstadion, sie kannten keinen Fangesang – und irgendwann hüpften und sangen sie, waren Teil der Einheit. In diesem Fall, bei diesem Spiel, eine Einheit der Glückseligkeit.

Klar, nach nem 4:1 kann man ja entspannt ins Finale einziehen. Aber nicht als BVB und nicht gegen Real Madrid. Die letzten 20 Minuten des zweiten Halbfinals, verbracht in einer Kneipe in der Hamburger Schanze, waren traumatisch. Meine Zuversicht war in dem Moment weg, als Real Madrid aufspielte wie die Derwische. Ich war mir immer noch sicher, dass der BVB ins Finale einziehen würde, aber auf Kosten vieler, vieler Nerven. Mats Hummels und Roman Weidenfeller retteten, ackerten, der Rest des Teams war sehr, sehr gut – aber Real Madrid war heiß. Ich schrie, fluchte, trank (Halbzeit: „Wir brauchen Schnaps!“), die letzten 20 Minuten war ich vermutlich unzurechnungsfähig. Ungeachtet des befreundeten Real Madrid-Fans neben mir. Die Freundin zu meiner Linken war erstarrt. Was ich zu viel fluchte, sagte sie gar nicht mehr, während ich mich durchgehend an ihre Schulter klammerte vor Angst. Lieber BVB, alleine für dieses Spiel schuldest du mir 2-3 Haartönungen, um die vermehrten grauen Haare zu verbergen.

Nach diesen ganzen Herzinfarkt-Momenten, und dem Zauberfußball, nach Lewandowski-Toren und Kuba-Flanken, nach Weidenfeller-Paraden, Hummels-Pässen (und -Patzern) und nach Reus-Tricksern – nach all dem möchte ich jetzt all das, idealerweise minus den Herzinfarkt und die Hummels-Patzer, am Samstag sehen. Wie es ausgeht, ist mir egal, der BVB hat es allen gezeigt. Und wie. Aber: Ich bin zuversichtlich.

PS: „Ist mir egal“ ist die offizielle Variante. Die inoffizielle? „ZIEHT DEN BAYERN DIE LEDERHOSEN AUS, LEDERHOSEN AUS, LEDERHOSEN AUS!!“

2 Kommentare

  1. […] Band Kunstrasen liefert das “Champions Lied” zum Finale. Ina Steinbach (Tor-Szenen) geht sehr zuversichtlich ins Spiel und blickt zurück auf die Champions League Erfolge ihrer […]

  2. […] publik wurde. Dann, das Rückspiel – wenn ich mich daran erinnere, spüre ich quasi immer noch Inas Fingernägel, die sich in meinen Arm bohren, auch wenn ich die in diesen letzten Spielminuten, in […]

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