Mein Filmmonat Oktober: Zweimal Ewige Bestenliste, bitte

Dank der Lesbisch-Schwulen Filmtage war der Oktober filmreich – vor allem war er aber dank dreier echter Perlen, zwei davon sogar in der Kategorie „IMMER WIEDER ANSCHAUEN!“, überdurchschnittlich gut. So gut, dass ich zum Ausgleich immer mal wieder was richtig Schlechtes gucken musste, offenbar – das ist zumindest meine Ausrede für den letzten Film des Oktobers.

Gravity

Nach den 90 Minuten „Gravity“ sitzt man kurz sprachlos im Kinosessel. Dann rutscht einem ein „Wow“ über die Lippen. Eventuell ist es der erste bewusste Atemzug nach 1 ½ Stunden. Denn „Gravity“ ist mehr als ein Film. Es ist ein Ganzkörpererlebnis, eine Tour de Force des Kinos, ein Film, der einen komplett vereinnahmt. Mein Puls ging hoch, die Hände lagen große Teile des Films über meinem Mund, wenn sie nicht gerade reflexartig aus Nervosität im Popcorn wühlten. „Gravity“ ist ein wahnsinniger Film. Fast nur von der herausragenden Sandra Bullock und ebenso herausragendem CGI getragen, entführt einen Cuaróns Meisterstück ins All, und es ist nicht so wirklich schön da. Von der Handlung sei an dieser Stelle nicht zu viel verraten, denn jeder Spoiler würde den Film verderben. Hier ergibt 3D wirklich einmal Sinn, und wen 3D nicht – wie mich –  mit Migräne und Übelkeit straft, der sollte ihn im Kino und in 3D sehen. Aber auch in 2D ist „Gravity“ überwältigend. 5/5 und sofortiger Platz in meiner ewigen Bestenliste des Kinos.

Side Effects

Ein höchst solider, durchweg spannend erzählter Thriller, der unverkennbar von Soderbergh ist. Die Handlung führt gekonnt und mit sehr guten Schauspielern durch Irrungen und Wendungen und am ist zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar. Das, gepaart mit Soderbergh-üblicher Optik, macht einen richtig guten Thriller. Allerdings haute der Film mich auch nicht aus den Schuhen, daher nur 3,5/5.

Iron Man 3

Dieser Film macht einfach nur Spaß, von der ersten bis zur allerletzten Minute (Credits bitte durchhalten, da kommt noch was!). Robert Downey Jr. ist sowieso mein erklärter Lieblings-Superheld nach Christian Bales Batman – und im dritten Film findet er sogar zur Form von Teil 1 zurück. Ein überragend guter dritter Teil, nicht selbstverständlich in diesen Fortsetzungsverrückten Zeiten. Perfekte Blockbuster-Actionkost, deren einziges Manko die offensichtlich für 3D konzipierten (und oft leicht unscharfen) Actionszenen sind. 4/5

Red Lights

Berechenbarer kann ein Film nicht sein, nur der finale Twist überraschte mich ein klein wenig. Leider wird aus einer potenziell guten Idee kaum etwas herausgeholt, der vielversprechende Beginn verliert sich in Genreklischees und einem wirren Skript. 2/5

The Butler

Für „The Butler“ wählt Regisseur Lee Daniels eine interessante Perspektive auf die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, die eines Butlers – also eigentlich eines Hausangestellten, eines viel gescholtenen Klischees des amerikanischen Kinos. Der stille, in de facto Sklaverei im Süden aufgewachsene Butler Cecil wird dabei gekonnt mit seinem politisch engagierten Sohn Louis kontrastiert. Durch erstaunlicherweise nie bemüht wirkende Kniffe umreißt Daniels die komplette Geschichte der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung von den Fünfzigern bis heute. Leider ist der Versuch, die acht Präsidenten unterzubringen, für die Cecil im Zuge seines Lebens arbeitete, im Gegenzug etwas zu bemüht. Letzten Endes wurde leider zu viel in einen einzigen Film gestopft, teilweise hat „The Butler“ deutliche Längen. Trotzdem absolut sehenswert, nicht nur für historisch Interessierte. Forest Whitaker ist überragend, die restliche Besetzung liest sich wie ein Who is Who des afroamerikanischen Kinos. 3,5/5

My Brother the Devil (gesehen bei den Lesbisch-Schwulen Filmtagen Hamburg)

Erstaunlicher Debutfilm über Familie, (männliche) Identität und (Über)Leben im Londoner East End – subtil emotional, realistisch und dennoch hoffnungsvoll, grandios (!) gespielt, bestechende Bilder. Ich war 2 Stunden lang komplett gefesselt von den liebevoll entwickelten Charakteren. Die Regisseurin Sally El Hosaini sollte man sich merken – wer so etwas als Erstlingswerk abliefert, der hat eine große Karriere vor sich. 4,5/5

Joven y alocada / Young and wild (gesehen bei den Lesbisch-Schwulen Filmtagen Hamburg)

Überdrehter chilenischer Film über Religion und sexuelle Selbstfindung, die sich natürlich nicht miteinander vertragen. Daniela, aus streng evangelikalem Elternhaus, bloggt über ihre sexuellen Erfahrungen und ihre Konflikte mit der Familie – der Blog inklusive Kommentare und Chats dient dem Film als amüsante rote Linie. Innovativ erzählt & gut gespielt, wirkte der Film manchmal etwas flach – allerdings erahnte ich bei den wenigen Szenen, die ich im schwer verständlichen chilenischen Spanisch verstand, dass der Wortwitz im Original vermutlich entscheidend ist. Die englischen Untertitel waren teilweise leider zu weit weg vom tatsächlichen Text. Daher nur 3/5 – möchte nicht ausschließen, dass ich ihn mit besserer Untertitelung besser gefunden hätte. Ach ja, eine kleine Warnung sei nicht vergessen, da einige deswegen tatsächlich aus dem Kino gingen: Der Film enthält extrem explizite Sexszenen.

La vie d’Adele / Blau ist die wärmste Farbe (gesehen bei den Lesbisch-Schwulen Filmtagen Hamburg)

„Gravity“ war herausragend. „My Brother the Devil“ war sehr, sehr gut. Aber „La Vie d’Adèle“ war ein Meisterwerk. Da eine Bewertung in Zahlen das nicht genug zum Ausdruck bringen kann, gibt es hier eine Langkritik. 6/5 und ein sofortiger Platz in meiner Top 5 der besten Filme aller Zeiten.

Concussion (gesehen bei den Lesbisch-Schwulen Filmtagen Hamburg)

Wenn man nur einen Tag vorher La vie d’Adele gesehen hat, ist die amerikanische Zahmheit von Concussion fast lächerlich – vor allem angesichts dessen, dass es um eine frustrierte Hausfrau mit desinteressierter Ehefrau geht, die sich ausgerechnet als Prostituierte selbst findet. Hätte ich den Film nicht gerade nach dem besten Film der letzten Jahre gesehen, wäre er vielleicht besser weggekommen. Denn schlüssig erzählt, gut gespielt und originell ist er. Aber halt so furchtbar, furchtbar zahm. 2,5/5

What to expect when you’re expecting / Was passiert, wenn’s passiert ist

Okay, ich hab mir das angeguckt. Jetzt lasst uns nicht wieder drüber sprechen, ok? Einen ganzen Zusatzpunkt gibt es für die saukomische Elizabeth Banks. 2/5

Und im November geht es eifrig weiter: The Fifth Estate & Hunger Games 2 muss sein, außerdem gibt es eine lange Liste von Filmen, die allmählich auf DVD erscheint. Und überhaupt ist ja jetzt Kinosaison. Und fast schon Oscar-Vorsaison. Das wird mal wieder anstrengend.

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