Tschö, München!

Das ging schnell. Exakt 1 1/2 Jahre hat mein kleines, bayrisches Experiment gedauert. Eine Norddeutsche kann man schon verpflanzen, aber nicht überall hin – und Bayern verhält sich zu meiner Heimat Niedersachsen und Wahlheimat Hamburg wie Feuer zu Wasser, Helene Fischer zu AC/DC, Dirndl zu Leder-Chaps. Nun sagen viele, dass München nicht Bayern ist, aber das stimmt einfach nicht – München ist sehr, sehr Bayern. Mia san Mia und das ganze Zeugs. Das Bayern um München herum ist so sehr Bayern, dass ein Nordlicht wie ich es da kaum aushält und vor allem niemanden versteht. Und das ist ein Problem: München ist an sich eine schöne Stadt, aber was sie wirklich herausragend macht, ist das wunderschöne Umland. Wenn man damit nichts anfangen kann, nicht gerne wandert oder Ski fährt, dann sitzt man im Millionendorf und wünscht sich eine Stadt, eine richtige Stadt mit Dreck und Grafittis. Ich weiß, dass ihr wisst, was ich meine, auch wenn ihr München über alles liebt.

Kurzum: Meins ist es nicht. Deswegen mache ich mein Städtequartett voll und ziehe nach Berlin, Hamburg, München in die einzig verbliebene Millionenstadt Deutschlands, tausche Alpen-Idylle gegen urbanen Dreck und Prunkbauten gegen seltsame 50er-Jahre Konstrukte. Vor der Tür liegt dann statt der Berge die größte Metropolregion Deutschlands, mehr Städte als ich als zählen kann, und vor allem das Ruhrgebiet, dem ich ohnehin schon vor langer Zeit verfallen bin. Gelockt hat mich nicht nur das Versprechen wuseliger Urbanität und das Bier (ja, ich mag lieber Kölsch als Weizen, nehmt das, Bayern!), sondern auch eine irrsinnig spannende berufliche Herausforderung in Düsseldorf. Ich darf mir also demnächst nicht nur Köln erschließen, sondern auch noch Düsseldorf – und ein ordentlicher Schwung Dublin kommt dank des EU-Hauptsitzes des neuen Arbeitgebers als Bonus dazu. Das Stadtkind jauchzt. Der Fußballfan auch, denn die Nähe zu Dortmund gibt es als Extra-Sonder-Bonus dazu.

Trotzdem: Danke an München und seine Bewohner für die freundliche Unterstützung meines Experiments. Viele liebe Zugeroaste und einige wenige echte Münchner haben sich die größte Mühe gegeben, mir die Stadt zu zeigen, mir Tipps zu geben und mir das Gefühl von Zuhause zu geben. Leider stellte es sich halt nie ein, und ich wusste nach knapp einem Jahr schon, dass es auch niemals kommen würde. Ich nehme mit: Basiskenntnisse bayrischen Dialekts, das Wissen um die Unterscheidung zwischen echten und Kostüm-Trachten, eine Liebe für bayrisches Rindvieh (was füttert ihr denen? Sehr lecker!), das Wissen um eine Köstlichkeit namens „Ausgezogene“, viele neue Freundschaften mit lieben Menschen, eine sehr schöne Pokalhalbfinalerinnerung, für die ich Lahm und Alonso noch einmal ausdrücklich danken will.

Schee war’s. Auf Wiedersehen, München (aber nur zu Besuch)!

Und HALLOOOO, Köln, ich freu mich auf dich. Bis auf den Karneval, das stelle ich mir schlimmer vor als die Wiesn. Noch schlimmer.

2 Kommentare

  1. Bernhard · · Antwort

    Wie oft hast Du jetzt denn schon“Hab‘ ich doch gleich gesagt“ gehört? 😉
    Übrigens sehr gewagt, die Worte „Bier“ und „Kölsch“ in einem Satz zu nennen und im nächsten „Düsseldorf“ anzureihen! 😂

    1. Sehr, sehr oft. Sehr.

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